Neuenkirchen-St. Arnold. In Erlangen, Heiden, Willich und Detmold ist es schon geschehen. Und Schulen in Wilhelmshaven, Düsseldorf und Osnabrück haben sich von ihrer Namensgeberin abgewandt. Agnes Miegel ist als Namensgeberin nicht mehr angesagt. Jüngste Forschungen belegen ihre Nähe zum Nationalsozialismus. Auch in Neuenkirchen wird an die ostdeutsche Heimatdichterin erinnert - mit der Agnes-Miegel-Straße in St. Arnold.
Zum Zeitpunkt der Namensgebung 1971 stand offenbar die ostpreußische Herkunft der Dichterin und ihr damit verbundener Bekanntheitsgrad gerade bei den Flüchtlingsfamilien St. Arnolds im Vordergrund. Doch nach jetzigem wissenschaftlichen Stand war Agnes Miegel eine bekennende Verehrerin des nationalistischen Gedankenguts und des „Führers“ Adolf Hitler. Im „Brockhaus“ wird festgehalten: „Agnes Miegel griff Tendenzen der Heimatkunst auf und ließ Blut-und-Boden-Romantik sowie Sympathien mit nationalsozialistischen Ideen erkennen.“
"Agnes-Miegel-Straße" in St. Arnold umbenennen?
In vielen Städten wird der Name der Heimatdichterin Agnes Miegel verbannt. Denn jüngste Forschungen belegen ihre Nähe zum Nationalsozialismus, von dem sie sich zeitlebens nie distanziert hat. In St. Arnold wird seit fast 40 Jahren mit der "Agnes-Miegel-Straße" an die ostdeutsche Dichterin gedacht. Soll die Straße umbenannt werden?
Agnes Miegel wurde am 9. März 1879 im ostpreußischen Königsberg geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester in Berlin arbeitete sie von 1902 bis 1904 in einem englischen Mädcheninternat, bis sie 1907 nach Königsberg zurückkehrte. Dort begann sie mit dem intensiven Schreiben von Gedichten, was ihr den Namen „Mutter Ostpreußens“ einbrachte.
Agnes Miegel wurde 1933 Mitglied der NS-Frauenschaft und nach der „Säuberung“ Vorstandsmitglied der Deutschen Akademie der Dichtung, einer Unterabteilung der Preußischen Akademie der Künste. Im Oktober 1933 gehörte sie zu den 88 deutschen Schriftstellern, die das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterzeichneten. So war sie von Verfolgungen, denen andere Künstler dieser Zeit ausgesetzt waren, nicht betroffen. 1939 nahm sie das Ehrenzeichen der Hitlerjugend entgegen; 1940 wurde sie Mitglied der NSDAP.
Agnes Miegel unternahm Vortrags- und Lesereisen, bekam Ehrenbürgerschaften verliehen und durfte während der NS-Zeit ohne Einschränkungen publizieren. Ihre Einstellung wird an glorifizierenden Hymnen auf Adolf Hitler (unter anderem in dem Gedicht: „An den Führer“, 1938) und einer Hinwendung zu Blut- und Boden-Themen deutlich. Als ostpreußische Heimatdichterin wurde sie zu einem literarischen Aushängeschild des NS-Regimes.
Ihre Gedichte lassen nach Ansicht der Forscher auf eine tiefe Verbundenheit zu Adolf Hitler und seiner Ideologie schließen. In ihren „Weiheversen“ huldigte sie Hitler so:
„Lass in deine Hand,
Führer, uns vor aller Welt bekennen;
Du und wir,
nie mehr zu trennen
stehen ein für unser deutsches Land.“
Während der Naziherrschaft erhielt Agnes Miegel den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main. 1944, in der Endphase des Zweiten Weltkrieges, wurde sie von Hitler in die Sonderliste der „Gottbegnadetenliste“ mit den sechs wichtigsten deutschen Schriftstellern aufgenommen.
Agnes Miegel habe ihre Meinung - trotz späterem Gutachten der Alliierten - nie geändert und sich bis zum Tode nicht öffentlich von den Verbrechen des Nationalsozialismus distanziert. So hat sie auch noch in der Nachkriegszeit im NS-nahen Umfeld veröffentlicht, etwa in der Monatszeitschrift „Nation und Europa“, die 1951 vom ehemaligen SS-Sturmführer Arthur Erhardt und dem ehemaligen SA-Obersturmführer Herbert Böhme gegründet wurde. So wurde sie auch noch nach ihrem Tod Anziehungspunkt für Rechtsradikale. Agnes Miegel starb am 26. Oktober 1964.
Agnes Miegel war Namensgeberin vieler Schulen, Straßen und Plätze. In zahlreichen deutschen Kommunen kommt es aber zu Umbenennungsbestrebungen. Eine Schule am Niederrhein wurde in Astrid-Lindgren-Schule umbenannt. In Osnabrück folgte der Stadtrat einstimmig der Bitte der Schule, sich nach der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner zu benennen. In Ahlen (Kreis Warendorf) entbrannte hingegen ein erbitterter Streit zwischen Stadtrat und Anliegern, die den Namen ihrer Straße nicht aufgeben wollten.