Neuenkirchen-St. Arnold. Umbenennen oder nicht? Das ist die Frage, die an der Agnes-Miegel-Straße seit Samstag heiß diskutiert wird. Die MV hatte über die Nazi-Verstrickungen der Heimatdichterin berichtet - und darüber, dass viele andere Städte den Namen „Agnes Miegel“ aus ihrem Stadtbild tilgen. Am Montag hörte sich die MV bei den Nachbarn direkt um. Sie sind hin- und hergerissen zwischen der Ablehnung der „Nazi-Dichterin“ und der Beibehaltung ihres seit Jahrzehnten angestammten Straßennamens. Bürgermeister Franz Möllering unterdessen ist in Sachen „Agnes Miegel“ bereits aktiv geworden.
„Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken, die Agnes-Miegel-Straße umzubenennen. Als Erstes wollen wir in einer Versammlung aber mit den Anliegern sprechen“, sagte Möllering am Montag auf Anfrage der MV.
"Agnes-Miegel-Straße" in St. Arnold umbenennen?
In vielen Städten wird der Name der Heimatdichterin Agnes Miegel verbannt. Denn jüngste Forschungen belegen ihre Nähe zum Nationalsozialismus, von dem sie sich zeitlebens nie distanziert hat. In St. Arnold wird seit fast 40 Jahren mit der "Agnes-Miegel-Straße" an die ostdeutsche Dichterin gedacht. Soll die Straße umbenannt werden?
Auch Möllering war die Nazi-Vergangenheit Agnes Miegels bisher unbekannt - wie den meisten Anliegern der Straße auch. „Die neuen Erkenntnisse sind jedoch klar genug, wir müssen die volle Wahrheit mit den Anliegern besprechen“, sagte Möllering. Mit dem Ordnungsamt, das im Rathaus für die Straßenbenennung zuständig ist, will der Bürgermeister das weitere Vorgehen besprechen. Außerdem soll das Thema „Agnes-Miegel-Straße“ auf die Tagesordnung des zuständigen Kulturausschusses des Rates kommen.
Die Anlieger sind hin- und hergerissen. „Das wäre die dritte Umbenennung der Straße“, nannte Barbara Lohrmann ganz praktische Gründe, die für sie gegen eine Umbenennung sprechen. Bis 1971 hieß die Agnes-Miegel-Straße „Adalbert-Stifter-Straße“. Damals bekamen die Anlieger auch neue Hausnummern. Barbara Lohrmann hielte eine Umbenennung für „übertrieben - nach so langer Zeit“.
Ihr Mann Hartmut Lohrmann hat schon überlegt, einen Leserbrief zu schreiben. „Es ist schwierig, zu trennen, aber man sollte es versuchen“, sagte er am Küchentisch im Gespräch mit der MV. Schlimm sei es, dass Agnes Miegel Hitler verehrt habe. „Aber sie hat als Heimatdichterin auch Verdienste vorzuweisen. Das sollte auch etwas gelten.“ Er sei dagegen, Agnes Miegels Gesamtwerk im Bausch und Bogen zu verurteilen - und ist damit gegen eine Umbenennung der Straße.
Ein anderer Nachbar, der wie etliche andere nicht namentlich genannt werden möchte, argumentiert in eine andere Richtung: „Man sollte die alten Zeiten ruhen lassen“, sagte der Rentner. Ihm war bis zur Lektüre des MV-Artikels nichts über die Nazi-Vergangenheit Agnes Miegels bekannt. „Das ist mir auch egal. Seit 1971 hat unsere Straße ihren Namen, das soll so bleiben.“
Irmgard Rübestahl ein paar Häuser weiter ist ganz anderer Meinung: „Die Straße sollte besser umbenannt werden“, sagt sie. Es sei gut, dass von Wissenschaftlern die dunkle Vergangenheit der Dichterin aufgedeckt worden ist. „Jetzt sollte man auch Konsequenzen ziehen.“
Marion Fielers hat nichts gegen eine Umbenennung ihrer Straße, „da bin ich nicht abgeneigt“. „Allerdings müsste man dann auch viele andere Straße oder Kasernen umbenennen“, sagt sie. Sie wundere und ärgere sich, dass die Nazi-Vergangenheit Agnes Miegels nicht eher bekannt geworden ist. „Ich wusste nur, dass das eine Dichterin ist.“
Mit einem Kompromissvorschlag wartet Nachbar Reinhard Rostek auf. Auch er möchte den Namen seiner Straße lieber behalten. Ein Zusatzschild am Straßenschild solle aber auf die Biografie Agnes Miegels hinweisen und über ihre Nazi-Vergangenheit aufklären. „Das darf man nicht zu locker sehen oder einfach ruhen lassen“, sagt Rostek, dessen Familie - wie Agnes Miegel - aus Ostpreußen stammt. „Es darf kein Beigeschmack bleiben“, sagt Reinhard Rostek.
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