Ein Tag im Betreuungszentrum mit Anita Willemsen. Die 36-jährige Mutter lebt seit über vier Jahren im Betreuungszentrum und freut sich besonders über die Besuche ihrer sechsjährigen Zwillinge Patricia (l.) und Lydia.
Neuenkirchen-St. Arnold. Anita Willemsen lebt seit über vier Jahren im Betreuungszentrum St. Arnold. Nach einer schweren Erkrankung kämpft sich die 36-jährige Mutter von Zwillingen zurück ins Leben. An ihrem Beispiel schildert die MV den Alltag im Betreuungszentrum St. Arnold.
Der Frühdienst beginnt um sechs Uhr morgens. Anita Willemsen bleibt allerdings lieber noch ein wenig länger im Bett. Aufstehen gehört nicht zu ihren Stärken. Unterwegs im elektrischen Rollstuhl fängt das richtige Leben im Betreuungszentrum an. Waschen, Zähne putzen, Haare kämmen, Anziehen. Zweimal pro Woche geht es mindestens unter die Dusche oder ins Bad.
Frühstück gibt es zwischen 8 und 9.30 Uhr. Auch hier gibt es individuelle Hilfestellungen. Anita Willemsen regelt das fast alles alleine. „Es ist echt nervig, dass man immer fragen muss, wenn man etwas will, es aber alleine nicht schafft. Die Pfleger geben sich sehr viel Mühe, um uns alles zu erleichtern. Aber natürlich klappt das nicht immer.“ Zum Frühstück fährt sie in die Caféteria der „Gelben Gruppe“ im Erdgeschoss. „Hier ist einfach die Atmosphäre am schönsten.“
Ein Blick auf den Monatskalender lohnt sich. Das Betreuungszentrum bietet ein umfangreiches Angebot an Aktivitäten. Rehasport, Quiz- und Zeitungsrunden, Männer- und Frauengruppen, der wöchentliche Gottesdienst, Kiosk mit ständig wechselnden Zusatzangeboten, Einzeltherapien und vieles mehr.
Anita Willemsen muss noch ein paar Besorgungen machen und fährt zum K+K-Markt um die Ecke. „Die Mitarbeiter dort kennen uns und man unterhält sich ein bisschen.“ Von der Wagenfeldstraße bis zur Kirchstraße sind es nur wenige Hundert Meter.
Nach dem Einkauf wartet ein Therapiemarathon. Für sie bleibt erst einmal keine Zeit zum Entspannen. Derweil werden andere Bewohner mit dem eigenen Bulli zur Logopädie oder zum Schwimmen nach Rheine gefahren, sowie zum Reiten nach Wettringen.
Ab 12 Uhr ist es Zeit für das Mittagessen. „Unsere Küchenleitung bietet in regelmäßigen Abständen Wunschkost-Runden an, bei denen die Bewohner ihre eigenen Ideen einfließen lassen können“, sagt Leiterin Iris Beckmann. Die Bewohner können täglich aus drei Menüs auswählen.
Danach bleibt ein bisschen Freizeit. Diese können die Bewohner unterschiedlich nutzen. Mittagsschlaf, Lesen, Einzeltherapien, Fernsehen und vieles mehr. Auf Anita Willemsen wartet einmal pro Woche die Maniküre. Ansonsten besucht sie ihre gut befreundeten Zimmernachbarinnen, fährt draußen spazieren oder schaut sich Fotos von ihrer Familie an.
Die 36-Jährige ist Mutter von zwei Mädchen: „Die fehlen mir am meisten. Sie sind allerdings auch mein Antrieb, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Ich telefoniere so oft ich kann mit ihnen, aber die Besuche sind natürlich für mich unbeschreiblich.“
Von 14.30 bis 15.30 Uhr ist Kaffeezeit. Danach bieten sich viele Möglichkeiten. „Fast jede Woche veranstalten wir einen Ausflug“, sagt Iris Beckmann. Nach Enschede zum Markt, ins Kino, in den Zoo oder in der Weihnachtszeit zum Weihnachtsmarkt nach Münster. Möglichkeiten gibt es einige. Der Sozialdienst macht viel, um die Bewohner zu unterhalten. Dabei wird das Betreuungszentrum von mehreren ehrenamtlich tätigen Frauen aus St. Arnold und Angehörigen unterstützt. Einmal in der Woche gehen die „Grünen Damen“ zudem mit einigen Bewohnern spazieren. „Ohne diese Hilfe wäre so einiges erheblich schwieriger. Wir sind wirklich dankbar, dass sie sich so für uns einsetzen.“
Auch gibt es jahreszeitlich bedingte Aktionen und Feste. Der „Frühjahrsputz“ oder das Karnevalsfest, das Mitsommernachtsfest, das große Sommerfest, Grillabende oder eine Ferienfreizeit. Im Herbst das Erntedankfest, die Reitertage oder Halloween und im Winter der Adventskalender, sowie die Nikolaus- und Weihnachtsfeier. „Besonders wichtig ist es uns, so viele Angehörige und Freunde wie möglich zu erreichen.“
Die Höhepunkte für Anita Willemsen sind das Sommer- und Weihnachtsfest. „Dann kommt meine ganze Familie. Meine beiden Kinder, meine Eltern, Geschwister und Freunde - und ich bin einfach nur glücklich.“ So oft es geht, besucht sie auch ihre Eltern in Gronau.
Ab 17.30 Uhr gibt es Abendessen. Danach unterhält sich Anita Willemsen mit den Pflegern und zieht sich dann auf ihr Zimmer zurück und sieht fern. Drei Nachtwachen kümmern sich um die Belange der Bewohner. So endet der Tag im Betreuungszentrum auch für Anita Willemsen. Ehe am anderen Morgen das stressige Aufstehen wieder ansteht. Aber wer kennt das nicht...