PORTRÄT DES BETREUUNGSZENTRUMS ST. ARNOLD_
„Gemeinsam statt einsam“

Seit 1994 gibt es das Betreuungszentrum in St. Arnold. Seitdem gehören die Bewohner und ihre Rollstühle, die von den „Grünen Damen“ geschoben werden, zum Ortsbild. Ohne das Engagement der St. Arnolder „Grünen Damen“ wären viele Aktionen im Betreuungszentrum nicht möglich. Zu ihnen gehören (v.l.) Mechthild Laumann, Lisa Caffier, Anette Helimg, Anneliese Bensmann und Maria Rengers. Es fehlt Gudrun Dinter.
Seit 1994 gibt es das Betreuungszentrum in St. Arnold. Seitdem gehören die Bewohner und ihre Rollstühle, die von den „Grünen Damen“ geschoben werden, zum Ortsbild. Ohne das Engagement der St. Arnolder „Grünen Damen“ wären viele Aktionen im Betreuungszentrum nicht möglich. Zu ihnen gehören (v.l.) Mechthild Laumann, Lisa Caffier, Anette Helimg, Anneliese Bensmann und Maria Rengers. Es fehlt Gudrun Dinter.
(Foto: Bartsch)


Neuenkirchen-St. Arnold. Das Betreuungszentrum St. Arnold ist kein Altenheim. Aber was ist es eigentlich? Die Altersspanne der Bewohner reicht von 25 bis hin zu 90 Jahren. Menschen, die durch einen Unfall oder eine schwere Erkrankung aus ihrem Lebensumfeld gerissen wurden. „Wir bieten ihnen ein neues oder vorübergehendes Zuhause“, sagen die Geschwister Iris und Markus Beckmann, Leiter des BZ.

Und das ist es, was das Betreuungszentrum im Münsterland so besonders macht? „Viele Menschen werden bis an ihr Lebensende bei uns bleiben. Wir möchten ihnen diese Zeit so schön und angenehm, wie möglich gestalten“, sagt Iris Beckmann.


Aber es gibt auch hoffnungsvolle Heilungsprozesse, mit denen niemand gerechnet hat. Besonders die Geschichte von Christoph Kemper hat viele Neuenkirchener bewegt (siehe nebenstehendes Interview). Ein Autounfall veränderte das Leben des 24-Jährigen von Grund auf.

Im Betreuungszentrum kümmern sich rund 110 Mitarbeiter um rund 90 Bewohner. In der Pflege, sozialer Betreuung, Therapie, Verwaltung, Küche, Wäscherei, Reinigung und Haustechnik - die Aufgabenbereiche im BZ sind vielfältig. Dabei werden die Mitarbeiter noch durch externe Therapeuten in Bereichen der Logopädie, Ergo-, Physio-, Tier,- und Musiktherapie unterstützt. „ Wir wollen so den individuellen Bedürfnissen unserer Bewohner entgegenkommen, unabhängig von der Art ihrer Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder Behinderung“, sagt Iris Beckmann.

Für 39 Bewohner gibt es einen gesonderten Versorgungsvertrag vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Er ermöglicht dem BZ einen erhöhten Personalschlüssel für Bewohner im Wachkoma oder mit Beatmungsgeräten. Examinierte Pflegekräfte sind zudem rar gesät. Ein Beruf mit Zukunft. „Im Moment sind wir auch noch auf der Suche nach zwei examinierten Pflegekräften.“

Im Haus selbst gibt es drei Wohnbereiche, zur leichteren Orientierung aufgeteilt in die gelbe, blaue und grüne Gruppe. In der „Gelben Gruppe“ wohnen die mobileren Menschen. „Wir wollen bei unseren Bewohnern so viel Selbstständigkeit wie möglich erhalten. Wir bemühen uns, das Leben in unserem Haus an den gewohnten Alltag anzubinden.“

Im Erdgeschoss befindet sich zudem die Caféteria und der Wintergarten, in dem allwöchentlich der Gottesdienst für die kleine St. Arnolder Gemeinschaft stattfindet. Eine Etage höher ist die „Blaue Gruppe“ mit dem Bistro. Optisch einem Straßencafé nachempfunden, wird das Bistro für Gruppentherapien, für den Kioskverkauf, zum Kartenspielen oder einfach zum Kaffeetrinken genutzt.

Der breite Wohnflur dient als gemeinschaftliche Wohnfläche. Es finden dort Veranstaltungen statt, wenn das Wetter mal nicht mitspielt. Bei der „Grünen Gruppe“ im Obergeschoss liegt der pflegerische Schwerpunkt im medizinischen Bereich. „Wir haben hier die baulichen und technischen Voraussetzungen um 15 Beatmungsbewohner zu versorgen.“

Im „Raum der Stille“ können die Bewohner einfach mal vom Alltagsleben im Betreuungszentrum abschalten und zur Ruhe kommen. Mit einem der beiden Bettenaufzüge gelangt man in das Kellergeschoss. „Hier befindet sich das Herz unseres Therapiezentrums.“ Ein großer Gymnastikraum mit einer Dampfsauna. Ein Werkraum zum Basteln und Handwerken. Ein Massageraum mit Wasserbett und Lichteffekten. Ein Friseur- und Fußpflegestudio. Alles, was den Tag angenehmer machen kann.

Zum Betreuungszentrum gehört auch die weitläufige Gartenanlage. Sie ist komplett mit Rollstühlen und Betten befahrbar. „Zudem bietet unser Garten Platz für Feierlichkeiten und Freizeitaktivitäten unserer Bewohner.“ Zum alljährlichen Sommerfest kommen bis zu 500 Personen - eine Familienfeier: „Es kommen immer viele Verwandte und Bekannte. Es ist ein Fest, um Abstand vom Alltag zu gewinnen und auf das sich alle das ganze Jahr freuen.“

VON THORSTEN BARTSCH

13 · 03 · 10


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