Neuenkirchen. Fuchs und Ente - kann das gut gehen? Ein Fuchs, der ständig Hunger auf Entenbraten hat? Kann der sich um eine kleine Ente kümmern? Er kann, wie das Stück „Alle seine Entlein“ vom „Filou Fox Solo Figurentheater“ aus Hannover am Dienstag gezeigt hat. Sehr gut sogar - auch wenn der Hunger auf Entenbraten bleibt. Vorhang auf für Stück drei des Kindertheater-Festivals.
Für Schauspieler Christian Kruse ist es wie Heimkehren. Vor zwei Jahren hat er mit „Albin und Lila“ das Kindertheater-Festival gewonnen. Und mit seinem liebevollen, witzigen und auch nachdenklichen Stück „Alle seine Entchen oder: Ich hab dich zum Fressen gern“ ist er wieder ein ganz heißer Anwärter auf den Titel. Aber: Die Entscheidung liegt in den Händen der Kinderjury. „Und die sehen die Dinge manchmal ganz anders als die Erwachsenen“, sagte Organisatorin Marliese von Burchard am Dienstagmorgen vor der ersten Vorstellung des Tages.
„Und am Ende der Straße steht ein Haus am See“ - wer mit Musik von Peter Fox ein Kindertheaterstück beginnt, kennt sich aus. Von der ersten Minute an hatte Christian Kruse die Kinder bei sich: Sie sangen das Stück, das aus dem Radio plärrte, sofort mit. Und was da auf der Bühne passierte, kannten die Kinder auch: Mama nicht da, Papa alleine zu Hause - und das Chaos beginnt.
Klaus und Sohn Max sind also allein zu Hause, Mutter Susanne ist zur Oma gefahren. Da geht im Haushalt so einiges schief: Nicht nur, dass die Schmalz-Stullen in der Waschmaschine landen; auch das Märchenbuch von Max ist gewaschen - und hinüber. „Wie soll ich jetzt die Einschlafgeschichte erzählen“, ist Vater Klaus verzweifelt.
Er versucht es aus dem Gedächtnis. Und hier beginnt die Puppengeschichte: eine Geschichte von Konrad, dem Fuchs, und Lorenz, der kleinen Ente - die Konrad nach dem Schlüpfen als ihren Papa annimmt. Und das, obwohl Konrad das Ei eigentlich essen wollte - und Enten sowieso, weil der alte Räuber ständig Hunger auf Entenbraten hat.
Und so entwickelt sich eine ganz sonderbare Vater-Sohn-Beziehung, in der der Fuchs bei ständigem Magenknurren seinen Hunger auf Enten überwindet und zum liebevollen Enten-Beschützer wird - auch dann noch, als Ente Lorenz seine Freundin Emma kennenlernt und sie für einen ganzen Haufen kleiner Entchen sorgen. „Ohhh, wie süüß“, fanden die Kinder.
Christian Kruse erzählt so wie der Papa auf dem Wohnzimmersofa: ruhig, akzentuiert, mit der richtigen Stimme für Fuchs und Gans, lustig. Er spielt im angenehmen Sinne unaufgeregt, mit kleinen, aber wirksamen Gesten. Und immer mit viel Witz, über den auch Erwachsene lachen können - nicht nur in Sachen Peter Fox, sondern auch, wenn Verhaltensforscher Konrad Lorenz, nach dem die Hauptdarsteller Fuchs und Ente benannt sind, als Porträt von der Wand lacht.
Und der Fuchs bleibt sauber - bis zu seinem friedlichen, glücklichen Ende. Auch wenn er bis zum Schluss Hunger hat.