Neuenkirchen. Eine besondere Vorstellung gab es am Freitagabend: Viel Mühe hatte sich Thomas Lischik, Musiker, Organist und Leiter der Musikschule, gegeben, zu drei der Ölbilder von Josef Hendel, die in St. Anna gezeigt werden, eindrucksvolle und ganz persönliche Improvisationen an der Orgel zu spielen. „Sein persönliches Klang-Bild oder seinen Bild-Klang“, wie Ute Ewering in ihrer Einführung ankündigte.
Nur wenige seiner über 1700 Kunstwerke hat Hendel in Öl auf Leinwand gemalt. Einige sind zurzeit in der Pfarrkirche St. Anna zu sehen (MV berichtete). „Das Bild Der gute Hirte´ zeigt den Hirten mit seinem Schaf, ist stimmungsvoll, in warmen Farben“, interpretierte Thomas Lischik das Bild. „Eine idyllische Szene, die etwas gestört ist durch aufziehende Gewitterwolken. Fremdartig auch das Gebäude im Hintergrund“. Er wählte für seine Improvisation die Grundmelodie von „Mein Hirt ist Gott, der Herr“, die musikalische Form einer Siziliana, bekannt aus der Barockmusik im Dreier-Takt. „In der Musik repräsentiert das Dreier-Metrum die Vollkommenheit, das Göttliche, die Dreieinigkeit, in den Noten als Kreis dargestellt. Im Gegensatz zum Vierer-Metrum, das das Irdische beschreibt. Aus dieser Zeit stammt in der Musik heute noch das c als unvollendeter Kreis“, erklärte Lischik seine Orgelvariation.
„Bernadette begibt sich freudig in den Dschungel des Ordenslebens“.
In „Die deutsche Auferstehung“ hält eine Hausfrau ihre schützende Hand über die Kinder. Die Katze als Symbol für Häuslichkeit, die Linien im Hintergrund verlaufen steil nach oben. Ein Soldat steht im Hintergrund - 1951 wurde die Bundeswehr gegründet, Hendel beschäftigte die Remilitarisierung. Thomas Lischik kleidete dieses Bild harmonisch in Variationen von „Wach auf, wach auf, Du deutsches Land“, das er immer wieder geschickt mit „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ verknüpfte.
Ute Ewering erläuterte.
Ganz anders zeigt sich Josef Hendel in den Tuschezeichnungen, die in St. Arnold zu ausgestellt sind: Unter dem Thema „Starke Frauen“ zeichnet er seine Sicht über Jeanne d´Arc von Orléans und der heiligen Bernadette. „So unterschiedlich beide sind, die eine kommt aus betuchtem Hause, Bernadette aus ärmlichen Verhältnissen, so haben sie doch Stärke gezeigt, die gerade zu ihrer Zeit ihresgleichen sucht“, sagte Kunsthistorikerin Ute Ewering am Samstagabend in St. Josef. „Hendel beschäftigte vor allem die Nonne Bernadette, die sich zum Beispiel auch in den Dickicht begibt, sowohl im wörtlichen Sinne als auch in das Dickicht des Ordens, und zeichnet sie mit einem Löwenkopf und massiven Elefantenfüßen“.
Viele Interessierte lernten etwas über die Intention Hendels in seinen Ölgemälden und hörten die dazu passenden Improvisationen von Thomas Lischik. (Fotos: Kösters)
Die Werke von Josef Hendel, der 1993 in Neuenkirchen gestorben ist und dessen Nachlass der Gemeinde gehört, wird an acht Orten gezeigt. Die Vernissage fand vergangene Woche in der Villa Hecking statt (MV berichtete). Außer dort sind die Hendel-Bilder unter anderem in der Pfarrkirche St. Anna, der St.-Josefskirche in St. Arnold, im Pfarrheim St. Josef, der Gnadenkirche und im Karl-Leisner-Haus ausgestellt. Jeder Teil der Ausstellung steht unter einem besonderen Thema. An jedem Ort gibt Kunsthistorikerin Ute Ewering eine Einführung und Interpretation der Bilder, die Josef Hendel einerseits als überzeugter Christ, andererseits als Nachkriegsmaler hinterlassen hat.
Vor seinen Improvisationen erklärte Thomas Lischik den Besuchern seine Sichtweise auf die Bilder. (Fotos: Kösters)
Am Samstag, 28. August, um 18 Uhr hält Ute Ewering im Pfarrzentrum von St. Josef einen Vortrag über die Federzeichnung „Die Laokoongruppe“ von Hendel.
Am Sonntag, 5. September, um 11 Uhr beschreibt Ute Ewering in der evangelischen Gnadenkirche den Lebensweg Hendels. Grundlage sind seine autobiografischen Aufzeichnungen „Aus meiner unverdorbenen Jugend“.