Neuenkirchen. Die Heimat ist ein wichtiges Gut für den Menschen. Hier wächst er auf, lernt die Sprache und ist eingebunden in die Gesellschaft. Wichtig ist daher, dass solch ein wichtiges Gut, an das sich der Mensch bis ins hohe Alter gerne erinnert, gehegt und gepflegt wird. Genau dieser Aufgabe hat sich der Neuenkirchener Heimatverein seit nunmehr 75 Jahren verschrieben und feiert dieses Jubiläum am kommenden Wochenende, 2. bis 5. September.
Die Ursprünge des Heimatvereins datieren aus der Zeit des Nationalsozialismus. Ob politische Gedanken zur Gründung des Heimatvereins beigetragen haben, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Fest steht, dass im Jahr 1935 der damalige Lehrer Heinrich Schnieders in seiner Funktion als Kulturbeauftragter von der Gemeindeverwaltung mit der Gründung eines Heimatvereins beauftragt wurde.
150 Interessiert kamen zur Gründungsversammlung in das Hotel Niehues (Hospes). Als Vorsitzender stand Heinrich Schnieders dem Heimatverein durch seinen frühen Tod aber nur bis 1936 vor. Danach bestimmte die NSDAP den Vorstand. Aus Rheine wurde Schulrecktor Reckels und das Parteimitglied Müller eingesetzt.
Bis in das Jahr 1948 wurde die Arbeit des Heimatvereins vernachlässigt. In dieser Zeit konzentrierte sich die Arbeit auf Heimatabende für verwundete Soldaten, die in Neuenkirchen im Lazarett lagen.
Im Jahr 1950 erinnerte man sich an die Bedeutung des Heimatvereins für Neuenkirchen. 250 Menschen folgten der Einladung zur Wiederbelebung des Heimatvereins und 150 Heimatfreunde schrieben sich in das Mitgliederverzeichnis ein. 16 Männer und Frauen bildeten den Vorstand, und Heinrich Antons übernahm bis in das Jahr 1954 den Vorsitz. Sein Arbeitsschwerpunkt galt der Pflege der plattdeutschen Sprache und Erkundungsfahrten in die nähere Umgebung, Pättkesfahrten und die Pflege der Geselligkeit.
1954 bis 1962 war der Schulrektor Karl Evers 1. Vorsitzender, der es als eine wichtige Aufgabe sah, die Heimatvertriebenen in den Verein zu integrieren und gemeinsame Heimatabende veranstaltet. Seit dieser Zeit hat sich der Heimatverein weiter der Bewahrung örtlichen Kulturgutes und der Heimatgeschichte verschrieben.
1962 übernahm Heinrich Antons wieder den Vorsitz. Die Pflege von Grünanlagen und Hecken und die Verschönerung des Ortsbildes ergänzte jetzt die Arbeit. Plattdeutsches Liedgut wurde gepflegt.
Von 1972 bis 1975 war es Robert Wehmschulte, der die Arbeit als Vorsitzender koordiniert. Danach stand Franz Woltering dem Heimatverein 23 Jahre bis 1998 vor. Es war die längste Amtszeit als Vorsitzender im Heimatverein. Unter seiner Regie erfolgte die Gründung des Arbeitskreises Familienforschung, monatliche Veranstaltungen, Wanderungen und Fahrten standen von nun an im Jahreskalender.
Seit 1998 ist der Heimatverein beim Vorsitzenden Erich Krukkert in besten Händen. Er machte sich besonders um das Heimathaus am Mühlendamm verdient und gründete eine starke Handwerkergruppe.