An Zapfsäule fünf gibt´s was Neues: Bioethanol


Georg Kemper, Iris Kreling, Ulrich Ahlke, Kai Hutzenlaub, Prof. Dr. Christof Wetter und Antonius Schulze Elfringhoff (v.l.) gaben am Dienstag den Startschuss für den Verkauf von Bioethanol.Foto:
Georg Kemper, Iris Kreling, Ulrich Ahlke, Kai Hutzenlaub, Prof. Dr. Christof Wetter und Antonius Schulze Elfringhoff (v.l.) gaben am Dienstag den Startschuss für den Verkauf von Bioethanol.Foto:
(Linda Braunschweig)


Ochtrup - Wer künftig an Säule Nummer fünf der Freien Tankstelle Kemper an der Gronauer Straße zum Zapfhahn greift, wird eventuell kurz ins Stocken geraten. „E85“ prangt dort auf dem Etikett. Die Frage, was das ist, muss Betreiberin Iris Kreling sicher noch einige Male beantworten. Der neue Kraftstoff Bioethanol ist bisher kaum bekannt. Kein Wunder, denn im Kreis Steinfurt ist die Tankstelle von Eigentümer Georg Kemper erst die zweite, die E85 führt. Den Kraftstoff gibt es ansonsten nur noch bei der Pludra-Tankstelle in Rheine zu kaufen.

Das soll sich nach Wunsch der Kreisverwaltung jedoch bald ändern: Im Rahmen des Projekts „Zukunftskreis Steinfurt - Energieautark 2050“ arbeitet sie daran, die 24 Städte und Gemeinden des Kreises bis zum Jahr 2050 in Sachen Energie unabhängig zu machen. Neben Maßnahmen zur Strom- und Wärmeproduktion gehört dazu auch, Bioethanol flächendeckend an den Tankstellen einzuführen. Das erklärte am Dienstag Ulrich Ahlke, Leiter des Agenda-21-Büros beim Kreis. Er gab zusammen mit Georg Kemper, Iris Kreling, Prof. Dr. Christof Wetter von der Fachhochschule Münster und Antonius Schulze Elfringhoff, Leiter des Kreisumweltamtes, sowie Bürgermeister Kai Hutzenlaub den offiziellen Startschuss für den Verkauf des Bioethanols in Ochtrup.


Der neue Kraftstoff ist für Autofahrer deshalb interessant, weil er mit derzeit 94 Cent pro Liter deutlich günstiger ist als Benzin oder Super. Prof. Wetter hat sich als Partner der Kreis-Aktion „Energieautark 2050“ intensiv mit Bioethanol beschäftigt. „Bei nicht umgerüsteten Autos kann E85 problemlos bis zu 30 Prozent mit dem üblichen Kraftstoff vermischt werden“, berichtet er von seinen Erfahrungen. Auch ein Anteil von bis zu 50 Prozent sei in der Regel kein Problem für „normale“ Autos. „Dann kann es allerdings passieren, dass das System einen Luftüberschuss im Tank meldet“, so Wetter.

Mehrere Hersteller - unter anderem Volvo, Saab, Ford und Audi - bieten bereits so genannte „Flexible Fuel Vehicles“ an, die sowohl Bioethanol als auch normales Benzin oder ein Gemisch vertragen. Autobesitzer haben aber auch die Möglichkeit, ihr Fahrzeug umrüsten zu lassen. „Das kostet zwischen 600 und 900 Euro“, weiß Wetter. Wer allerdings voll auf Bioethanol umsteigen will, sollte wissen, dass sein Auto dann rund 20 Prozent mehr verbrauchen wird, da Bioethanol zwar mit 104 eine höhere Oktanzahl hat, aber nicht so ergiebig ist wie Benzin oder Diesel. Auf Autoteile wie Dichtungen oder ähnliches habe der Kraftstoffwechsel keine Auswirkungen, betont Wetter. Er selbst fahre mit seinem umgerüsteten BMW bereits seit Längerem mit E85. „Problemlos“, wie er sagt.

„Biodiesel lief nie wirklich“, begründet Georg Kemper die Umrüstung auf E85. Auf einer Messe vor zwei Jahren habe er sich über den Kraftstoff informiert. Ein entsprechender Antrag beim Kreis habe jedoch seine Zeit gebraucht, so Kemper. Das liege daran, dass aufgrund mangelnder Erfahrungen zunächst die Sicherheitsvorkehrungen überprüft werden mussten, erklärt Antonius Schulze Elfringhoff. Künftig soll auch das schneller gehen. Der Kreis will den „wichtigen Baustein Bioethanol“ im Rahmen des Energieautark-Projekts weiter vorantreiben. „Die nächste Tankstelle mit E85 wird in Saerbeck eröffnet. Weitere Gespräche führen wir gerade“, so Wetter.

Die Umrüstung auf Bioethanol interessierte auch Kai Hutzenlaub. „Das wäre vielleicht auch was für unsere Dienstfahrzeuge“, so der Verwaltungschef.

VON LINDA BRAUNSCHWEIG, OCHTRUP / METELEN


08 · 06 · 10



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