Seminar zum Obstbaumschnitt

Wie erziehe ich mir einen Baum?


Gartenbautechniker Hubert Mersch zeigte den Mitgliedern des Obst- und Gartenbauvereins an einem Pflaumenbaum, was beim Schnitt von Obstgehölzen richtig oder auch falsch gemacht werden kann. Fotos:
Gartenbautechniker Hubert Mersch zeigte den Mitgliedern des Obst- und Gartenbauvereins an einem Pflaumenbaum, was beim Schnitt von Obstgehölzen richtig oder auch falsch gemacht werden kann. Fotos:
(Frauke Schulte-Sutrum)


Ochtrup - „Nur die Harten kommen in den Garten“ - mit diesem Spruch traf der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Ludger Struck am Donnerstagnachmittag den Nagel auf den Kopf. Denn trotz eisiger Minustemperaturen kamen zahlreiche Interessierte in den Garten der Familie Volbert an der Hasenstraße. Dort erfuhren sie in einem Kurzseminar mehr über die Grundprinzipien des fachgerechten Obstbaumschnitts. Gartenbautechniker Hubert Mersch erläuterte in 90 Minuten, wie es richtig gemacht wird. Er demonstrierte auch, was alles falsch laufen kann.

„Es geht vor allem darum, den Obstertrag durch den Schnitt zu beeinflussen“, betonte der Fachmann. Dabei setzt er klar auf Fruchtqualität statt auf Quantität: „Ich möchte lieber weniger Äpfel, die groß genug sind, als ganz viele, die nur eiergroß sind“, so der Geschäftsführer des Landesverbandes der Gartenbauvereine NRW.


Beim Obstbaumschnitt wird zwischen Sommer- und Winterschnitt unterschieden. Steinobstbäume können je nach Obstart nach der Ernte von Juni bis September gestutzt werden, Kernobst von Dezember bis Ende März. Schere und Säge dürfen allerdings nur bis Minus fünf Grad Celsius gezückt werden, da sonst die Wundflächen schlecht verheilen. „Eine gute Wundheilung sorgt Pilzbefall vor“, erklärte Mersch.

Der Gartenbautechniker schwört auf hochwertiges Schnittwerkzeug. „Man muss dazu bereit sein, etwa 80 Euro für ein Werkzeug auszugeben. Dann ist es aber auch langlebig.“ Zudem wies er darauf hin, dass nicht jedes Werkzeug für jeden Einsatz im Garten geeignet ist: „Große Scheren sind eher für Forsythien oder Haselnussbäume und nicht für Obstbäume geeignet, da sie das Holz quetschen. Sie hinterlassen keine sauberen Schnittflächen.“

Der Gartenbautechniker mahnte, Äste beim Wegschnitt - anders als beim Rückschnitt - immer eng anliegend zum Astring zurückzuschneiden. „Aus den Stummeln wachsen vielleicht wieder Triebe, und das wollen wir nicht.“

Mit der Frage „Wie klappt es, dass ein Baum nicht größer als 2,50 Meter wird?“ griff Mersch einen wichtigen Punkt auf. Die meisten seiner Zuschauer hatten dazu keine passende Antwort parat. Der Fachmann schon: „Wenn der Baum von Natur aus starkwüchsig ist, darf ich ihn nur wenig schneiden. Sonst fordere ich sein Wachstum heraus.“ Schwachwüchsige Bäume müssten hingegen kräftig geschnitten werden, um Triebhölzer zu fördern. Und wie lässt sich erkennen, ob ein Baum schwach- oder starkwüchsig ist? „Gucken Sie sich einfach einen Jahrestrieb an. Ist dieser innerhalb eines Jahres nur 30 Zentimeter gewachsen, handelt es sich um einen schwachwüchsigen Baum. Ist der Trieb 70 bis 100 Zentimeter lang, ist der Baum starkwüchsig“, erklärte Mersch. Er riet, beim Kauf genau auf die Wurzeln zu achten. Ist der Wurzelbereich klein, bleibt der Baum auch klein. Aber Vorsicht bei veredelten Gewächsen: „Pflanzen Sie den Baum immer unterhalb der Veredlungsstelle ein, ansonsten bilden sich dort eigene Wurzelkränze, und plötzlich wächst der Baum anders, als Sie es wollen“, riet Mersch.

In den ersten Jahren befindet sich ein Obstbaum in der Jugendphase. Dann steht das Triebwachstum im Vordergrund. Mit den Pflanz- und Erziehungsschnitten wird die Krone optimal ausgebildet. „Äste, die sich verzweigen sollen, werden auf circa zwei Drittel gekürzt. An den Schnittstellen erhält man dann zwei bis drei neue Äste“, sagte der Gartenfachmann. Nach fünf bis sechs Jahren ist das Grundgerüst der Baumkrone vorhanden, die Ertragsphase beginnt. „Ein regelmäßiges maßvolles Auslichten und Entfernen von abgetragenem Fruchtholz ist besonders wichtig, das geschieht unter der Anwendung von Erhaltungs- und Überwachungsschnitten“, so Mersch.

Nach sechs bis sieben Jahren rät er nur noch zum Wegschnitt. „In der Krone darf dann nichts mehr zurückgeschnitten werden, denn wenn ich 100 Äste zurückschneide, kommen 200 wieder. Deshalb den Ast immer an der Basis wegschneiden.“ Um die Grundform zu erhalten, sollte jedes Jahr geschnitten werden. „Eine gut ausgelichtete Baumkrone schützt vor Pilzentwicklung“, erläuterte Mersch.

Abschließend gab er den Hobbygärtnern noch einen Tipp mit auf den Weg: „Vor einem Eingriff muss man sich immer die Reaktion des Baumes vor Augen halten. Zur Not wenden Sie sich an einen Experten.“



03 · 02 · 12





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