Rheine. Auf pingelige Pünktlichkeit scheinen Portugiesen anscheinend keinen großen Wert zu legen. Eigentlich sollte das Folklorefest der portugiesischen Volkstanzgruppe „Ancora do Mar“ aus Rheine am Samstagnachmittag gegen 15 Uhr beginnen, die erste Gruppe trat aber erst um 17.30 Uhr in der Kopernikus-Sporthalle auf. „Solche Verspätungen liegen in der Tradition unseres Volkes. Die portugiesische Uhr läuft halt anders als das deutsche Zeitgefühl“, lachte Moderatorin Alexandrina da Silva.
Wahrscheinlich hätten die Veranstalter aus Rheine ihr Programm auch fünf Stunden überziehen können, das wartende Publikum wäre keineswegs wütend gewesen. Schließlich warteten donnernde Tänze und farbenfrohe Kleider auf die zahlreichen Besucher, die spannende Einblicke in eine fremde Kultur voller Farbenpracht und Kreativität genießen durften. Schnell waren die Herzen des klatschenden Publikums beim 22. Festival der Volkstanzgruppe „Ancora do Mar“ in der Kopernikus-Sporthalle erobert.
„Wir dürfen heute Abend acht portugiesische Tanzgruppen aus der ganzen Bundesrepublik begrüßen“, versicherte Alexandrina da Silva. Unter den Teilnehmern waren beispielsweise Truppen aus Köln, Hamburg und Osnabrück. Ob handgestickte Trachten, portugiesische Schönheiten oder südländische Spezialitäten aus dem Meer: Die Sporthalle verwandelte sich am Samstag in ein Domizil für Feinschmecker. „Es gibt in Deutschland kaum ein größeres Folklorefest“, erläuterte Tänzer Gabriel Bispo stolz.
Kein Wunder, dass sich auf der dekorierten Bühne die Elite des portugiesischen Tanzes versammelte. Sechs Gruppen nahmen dabei an einem mehrstündigen Wettbewerb teil, um schimmernde Pokale zu gewinnen. Nun mussten die aufmerksamen Juroren in 20 Minuten von den eigenen Künsten überzeugt werden. Auf der Bewertungsliste standen in diesem Zusammenhang wichtige Bausteine eines portugiesischen Tanzes: Tracht, Musik, Disziplin, Ausdauer und Tanzschritte.
Unter den aufmerksamen Besuchern befand sich am Samstag auch Marianne Helmes, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Rheine. Sie machte in der Kopernikus-Sporthalle ebenfalls Bekanntschaft mit dem eigenartigen Zeitgefühl der Portugiesen. „Wenn man die südländische Gelassenheit mit der deutschen Pünktlichkeit in einen Topf wirft, entsteht ein bunter Abend“, versicherte Helmes, die der Rheiner Volkstanzgruppe „Ancora do Mar“ einen kleinen Scheck überreichte.
Die Truppe sucht übrigens noch einen Musiker, der das Akkordeon beherrscht. Die Tanzgruppe trifft sich jeden Samstag um 17.30 Uhr im interkulturellen Begegnungszentrum Centro S. Antonio. Aber Vorsicht: Bei dieser Uhrzeit handelt es sich um das portugiesische Zeitgefühl…