Rheine. Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß - das sind die vier Kardinaltugenden in der philosophischen Tradtion von Platon und Thomas von Aquin. Seit Samstag schmücken vier Bronze-Skulpturen des Künstlers Guy Charlier den Schulhof des Gymnasiums Dionysianum. „Ein Jahrhundertprojekt für unseren Verein hat seinen Abschluss gefunden“, freute sich Peter Rohlmann, der Vorsitzende des Vereins Alter Dionysianer (VAD), der anlässlich des 350-jährigen Schuljubiläums in diesem Jahr seiner „Alma mater“ dieses wertvolle Geschenk überreichte.
Rohlmann blickte in seiner Ansprache auf die fünfjährige Vorbereitungszeit zurück, die die Verwirklichung der Idee in Anspruch genommen hatte. „Ende 2003 hat sich unser Verein erstmals Gedanken gemacht, was wir unserer alten Schule zum im Jahr 2009 anstehenden Jubiläum schenken könnten“, sagte der VAD-Vorsitzende.
Beim Farbenfest im Jahr 2004 sei der Vorstand dann erstmals mit der Idee an die Öffentlichkeit gegangen, Skulpturen der vier Kardinaltugenden von einem renommierten Künstler anfertigen zu lassen und sie dem Dionysianum für die künstlerische Ausstattung seines Schulhofes zu schenken. „Hierfür war ja von Seiten der Stadt kein Geld mehr da, nachdem sie den Anbau nach Plänen von Josef-Paul Kleihues vollendet hatte“, erinnerte sich Rohlmann. In diese Bresche sei der VAD mit seinem Projekt gesprungen.
Die Zusammenarbeit mit dem in Trier lebenden Künstler Guy Charlier, auf den die Wahl der Gremien schließlich gefallen sei, habe sich in der ganzen Zeit sehr positiv gestaltet. „Es hat stets einen regen Kontakt zwischen Rheine und Trier gegeben“, rief Rohlmann am Samstagmorgen dem anwesenden Charlier zu.
Bei der nicht einfachen Finanzierung des wertvollen, aber auch kostspieligen Geschenkes haben sich zahlreiche VAD-Mitglieder und Freunde enorm ins Zeug gelegt. Mehr als die Hälfte der erforderlichen Summe sei durch solche Spenden zusammengekommen.
Rohlmann wies darauf hin, dass der VAD ein Buch in Planung habe, das die vier Kardinaltugenden und ihre Skulpturen in den Mittelpunkt stellen wird.
Rheines Bürgermeisterin Angelika Kordfelder blickte ebenfalls zurück in die Entstehungsgeschichte der vier Kunstwerke. „Auch Dank einer gelungenen Ausstellung im Kloster Bentlage hatten die Rheinenser Gelegenheit, sich auf das Werk Guy Charliers einzustellen“, meinte die Bürgermeisterin, die sich auf die Diskussionen freute, zu denen die Kunstwerke Charliers ab jetzt den Anlass bieten. „Kunst braucht den Mut einer Stadtgesellschaft“, sagte die Bürgermeisterin.
Die Kunsterzieherin Irmgard Sabelus berichtete in ihrer künstlerischen Würdigung der Charlier-Skulpturen von den ersten Reaktionen der Schüler. „Die stören uns nicht weiter“, habe ihr eine Schülerin auf die Frage geantwortet, wie sie denn die neuen Kunstwerke auf dem Schulhof fände. Das entspreche aber auch genau dem Charakter der Skulpturen: „Sie sind sensibel zurückhaltend“, sagte sie und fügte hinzu: „Sie erfordern die Aktivität des Betrachters“.
Schulleiter Herbert Huesmann wies in seiner Dankesrede darauf hin, dass in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise eine Rückbesinnung auf werteorientiertes Handeln stattgefunden habe. Diesem entsprächen die vier Kardinaltugenden perfekt, wie sie Guy Charlier auf dem „Marktplatz“ der gesamten Schulgemeinde jetzt aufgestellt habe.