Stimmungskanonen im Einsatz in Afghanistan


Mit Hits von AC/DC und den Rolling Stones heizte die Rheiner Rockband Pink Mail den Soldaten in Mazar-e Scharif so richtig ein.
Mit Hits von AC/DC und den Rolling Stones heizte die Rheiner Rockband Pink Mail den Soldaten in Mazar-e Scharif so richtig ein.
(Fotos: Rapreger)


Mazar-e Sharif/Rheine. Wie abenteuerlustig muss man als Musiker sein, um bei gefühlten 50 Grad Celsius 6000 Kilometer fern der Heimat gagenfrei in einem Krisengebiet aufzutreten? - Die Rheiner Rockband „Pink-Mail“ nahm ganz gelassen diese Hindernisse in Kauf, um die Soldaten fern der Heimat musikalisch mal so richtig einzuheizen.

Und sie hatten wahrlich prominente Vorgänger, die über die „United Service Organisation“ (USO) der Amerikaner einst die GIs rund um den Globus mit Ablenkung versorgen - darunter auch Pop-Queen wie Mariah Carey, die im Kosovo auftrat, oder Bruce Willis, der vor US-Soldaten im Irak sang. Auch die Briten haben eine Entertainment-Organisation: die CSE, die Kleinkünstler auf Flugzeugträger verschifft oder das Ex-Spice-Girl Geri Halliwell zu Soldaten nach Oman schickte.


Bei der Bundeswehr gibt es auch so eine Art Booking-Agentur, beheimatet im Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam. Im Rahmen der sogenannten Truppenbetreung ist das möglich. Eine Abwechslung, die den Soldaten nur etwa alle sechs Monate vergönnt ist. So hat „Pink Mail“ für den Auftritt vor den deutschen Soldaten eigens den Song „Afghanistan“ geschrieben. Sozusagen eine klare Dankeschönbotschaft an die Soldaten. Und diese sind in der Tat multinational auf dem Konzert vertreten: Amerika, Kroatien, Norwegen, Schweden und Italien sind nur einige. Der Song ist eine Anerkennung für die Soldaten und Soldatinnen, die im schwierigen Einsatz zur friedlichen Entwicklung und Stabilisierung von Afghanistan beitragen.


Den Musikern von Pink Mail machte der Gig in Afghanistan offensichtlich auch mächtigen Spaß.
Den Musikern von Pink Mail machte der Gig in Afghanistan offensichtlich auch mächtigen Spaß.


Das Konzert ist eine willkommene Abwechslung für die Soldaten im Auslandseinsatz. Vier von fünf Soldaten kommen in den vier bis sechs Monaten, die sie hier sind, nicht aus dem Feldlager heraus. Eine Maßnahme der Truppenbetreuung bei der Bundeswehr, die Soldatenkontingente im Ausland ab und zu mit Live-Unterhaltung versorgt. Die deutschen Musiker bekommen nämlich im Gegensatz zu Briten und Amerikanern keine Gage. Ihnen werden lediglich die Reisekosten ersetzt, außerdem ist man beim Transport des Equipments behilflich. Außer dem Jubel der Soldaten am Konzertabend und dem Feedback am nächsten Tag kann man nichts gewinnen. Die Bundeswehr kann hier nur mit neuen Erfahrungen locken, nicht mit Geld. Aber echte Stimmungskanonen sind bei den von der alltäglichen Routine oft gelangweilten Bundeswehrsoldaten ohnehin gefragter als hochprofessionelle Künstler.

Die vier Musiker von „Pink Mail“ sind keineswegs Militärfans, sie haben nicht mal gedient. Über 500 multinationale Soldaten, die niemals Ausgang haben, waren umso dankbarer für diese Abwechslung im „Beach-Club“ des Camp Marmal im Norden von Afghanistan. Mit genau den Stücken: „Auf gute Freunde“ (Böhse Onkelz) , „Satisfaction“ (Rolling Stones), „Thunderstruck“ (AC/DC) setzte Pink Mail einen oben drauf‘, die Stimmung konnte nicht mehr besser sein: Fazit: „mission accomplished“.

VON SVEN RAPREGER


29 · 05 · 09



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