Rheine. Sie waren bunt, sie waren laut, sie waren frech - aber sie blieben friedlich. Und sie hatten definitiv einen anderen Musikgeschmack als das Militär. Dem „Tschingderassa-Bumm“ beim öffentlichen Rekrutengelöbnis auf dem Borneplatz setzte die doch eher kleine Gruppe der Gegendemonstranten Gitarren, Bongo-Trommeln und Trillerpfeifen entgegen.
Nach Einschätzung der Demo-Veranstalter waren es rund 200 Gelöbnisgegner, die sich zunächst am Bahnhofsvorplatz sammelten und anschließend über den Ring, am Falkenhof vorbei durch die Innenstadt zum Marktplatz zogen. Polizeisprecher Dieter Elsbecker nannte ein Zahl von 130 Demonstranten.
Regenbogen-bunte Friedensfahnen, die roten Fahnen der Partei „Die Linke“, blau-weiße Tücher der Friedensgruppen und einige Fahnen von „Bündnis 90/ Die Grünen“ dominierten das Bild. Eine kleine Gruppe hüllte sich ganz in Schwarz: auf dem Kopf dunkle Kapuzen oder Wollmützen, schwarze Sonnenbrillen schützen die Augen. Ein Einsatzleiter der Polizei wies noch am Bahnhof darauf hin, dass die Polizei bei erkennbarer Vermummung einschreiten würde. Soweit kam es nicht. Die Polizei zeigte Präsenz, hielt sich aber weitgehend im Hintergrund.
Zu Kontakten zwischen den Demonstranten und den im inneren Ring gelagerten „Feldjägern“ der Bundeswehr ist es gar nicht erst gekommen. Zivile Einsatzkräfte fielen lediglich durch den „Stecker im Ohr“ auf. Polizeisprecher Elsbecker machte keine Angaben zur Polizeistärke während der Gelöbnisfeier.
Die schwarz gekleideten Demonstranten riefen „Schande, Schande, Mörderbande“ oder „Feuer und Flamme für die Bundeswehr“. Andere Parolen lauteten: „Rüstung für den Frieden ist wie Schnaps gegen Alkohol“ oder „Bildung statt Bomben“.
„50 Jahre Bundeswehr ist kein Grund zum Feiern. Die Heeresflieger in Rheine haben eine zentrale Rolle bei der Kriegsführung in Afghanistan. Geübt wird hier, gemetzelt in Afghanistan. Das finden wir nicht richtig“, sagte Mitveranstalter Wilhelm Achelpöhler. Auf Nachfrage erläuterte Gelöbnisgegner Achelpöhler, dass die Bundeswehr in Afghanistan Teil der Nato sei. „Und die Amerikaner bombadieren schließlich Hochzeitsfeiern.“