Rheine. "Handys sind eine feine Sache", sagt Schlagersänger Mickie Krause ("Zehn nackte Friseusen"). "Aber die Dinger können auch zum Problem werden. Wenn ich dienstags auf Mallorca auftrete, dann sind die Videos davon schon mittwochs im Internet. Und meinen neuesten Song, der erst in vier Wochen rauskommt, kann man jetzt schon überall runterladen. Deshalb habe ich die Idee einer Handyordnung auch sofort unterstützt", sagt die Stimmungskanone vom "Ballermann".
Mickie Krause präsentierte am Freitag in der Volkshochschule Rheine gemeinsam mit Schülern, Lehrern, Sozialarbeitern und Polizeibeamten eine Handyordnung, die nach den Sommerferien zunächst an den drei Rheiner Hauptschulen, möglicherweise sogar an allen Rheiner Schulen eingeführt werden soll. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Angelika Kordfelder hatte sich Krause spontan als Schirmherr zur Verfügung gestellt. "Mit Handys werden ja heute auch Videos gedreht. Die Hände zum Himmel? Wenn ich das singe, gehen heute mehr Handys als Hände in die Höhe", sagte Krause. Nach der Pressekonferenz stellte sich der Schlagersänger spontan für ein Fotoshooting mit allen Beteiligten zur Verfügung. Und da ließen sich nicht nur Schüler, sondern auch einige Polizeibeamte mit Mickie fotografien. Und seine Autogrammkarten und CDs fanden ebenfalls reißenden Absatz.
Eigentlich sind Handys ja zum Telefonieren gedacht. Jugendliche haben aber oft noch ganz andere Verwendungen für die Multimedia-Geräte: raubkopierte Musik hören, Gewaltvideos und Pornos tauschen, Mitschüler filmen, fotografieren und ins Internet stellen und andere unschöne Dinge mehr. Im Klassenraum oder auf dem Schulhof werden Handys zunehmend zum Problem. Vielfach kann ein geordneter Unterricht kaum noch stattfinden. Und die Eltern haben meistens keine Ahnung, was ihre Sprösslinge mit ihren Handys alles so treiben.
Als erste Stadt in Nordrhein-Westfalen hat Rheine daher einen „Handy-Knigge“ erarbeitet: Lehrer, Schüler, Sozialarbeiter und Polizeibeamte haben gemeinsam ein Regelsystem erarbeitet, das den Schülern durchaus einige Freiheiten lässt. Danach ist zum Beispiel das Musikhören auf dem Handy mit Kopfhörer in der Pause erlaubt, im Unterricht bleibt das Handy aber ausgeschaltet.
Kriminalhauptkommissar Guido Wilke hat gemeinsam mit den Schülern viele Arbeitstunden in das Projekt investiert. Den Begriff "Handy-Knigge" hört er gar nicht so gern. "Es geht dabei nicht nur um gutes Benehmen", sagt er. "Vielmehr um eine verbindliches Regelsystem, an das sich Schüler - und auch Lehrer - halten. In vielen Schulen gebe es heute Probleme mit Handys. "Mobbing unter Schülern ist ein großes Problem. In einigen Fällen musste die Polizei auch schon Anzeigen gegen Schüler fertigen", sagte er. "Wir wollen die Schüler davor bewahren, straffällig zu werden". Oftmals sei bei den Schülern überhaupt kein Unrechtsbewusstsein vorhanden.
Das von einem Arbeitskreis erarbeitete Flugblatt soll nach den Sommerferien an den Rheiner Schulen verteilt und im Unterricht besprochen werden. Zwar gibt es an vielen Schulen bereits eine Handyordnung. Die ist in der Regel jedoch sehr restriktiv und wird von den Schülern meistens missachtet. Für die gemeinsam mit Schülern entwickelte Handyordnung hofft man nun auf größere Akzeptanz.