Getränkemarkt-Besetzung beendet


Neugierig blicken Menschen in den Getränkemarkt an der Bonifatiusstraße.
Neugierig blicken Menschen in den Getränkemarkt an der Bonifatiusstraße.
(Foto: Rapreger)


Rheine. Die tagelange Besetzung des Getränkemarktes an der Bonifatiusstraße ist beendet. Das Landgericht Münster hat am Donnerstag entschieden, dass der Besetzer einen Schlüssel an Thorsten Achterkamp herausgeben muss. Mit dieser Einstweiligen Verfügung hat Achterkamp einen Teilerfolg errungen. Eine umgehende Räumung aber oder die Abgabe aller Schlüssel wurde von der 4. Zivilkammer nicht angeordnet. Inzwischen hat Achterkamp nach eigenen Angaben den Schlüssel erhalten, er strebt jetzt einen Vergleich mit der Gegenseite an.

Der Rechtsstreit indes schwelt weiter. Und der ist für den juristischen Laien kaum zu durchschauen. Das gesteht auch Rechtsanwalt Rolf Tombült ein, der die Besetzer in der Angelegenheit vertritt. „Das ist sehr verzwickt“, sagt Tombült. Nach seinen Angaben stellt sich die Lage wie folgt dar: Die Immobilie an der Bonifatiusstraße ist im Besitz eines Investors, dessen Namen Tombült aber nicht nennen möchte. Dieser Eigentümer hat die Immobilie an einen Dieter Tilch vermietet. Dieser wiederum hat das Gebäude an die Wessel&Tilch OHG weitervermietet. Und diese Gesellschaft schließlich hat mit Thorsten Achterkamp ein Untermietverhältnis abgeschlossen.


Wobei die Wessel&Tilch OHG gemeinsam mit Achterkamp offenbar so etwas wie die Betreiber des Getränkemarktes sind und Helmut Wessel als Betriebsleiter auftrat. Dieses Gesellschaftsverhältnis hat Achterkamp nach Aussage von Tombült am 10. Juli fristlos gekündigt und die Wessel&Tilch OHG am folgenden Tag vor die Tür gesetzt. „Das geschah schon unter nötigungsähnlichen Zuständen“, sagt Tombült. Dafür gebe es auch Zeugen. Stimmt nicht, meint dagegen Thorsten Achterkamp. Es habe eine ordnungsgemäße Übergabe stattgefunden.
Am 21. Juli dann habe sein Mandant erstmals Thorsten Achterkamp mitgeteilt, dass er seine Ware aus dem Getränkeladen abholen könne, sagt Rechtsanwalt Tombült. Dabei habe die Wessel&Tilch OHG eine Frist bis zum vergangenen Freitag, 24. Juli, um 18 Uhr gesetzt. Die hat Achterkamp offenbar verstreichen lassen.

In der Nacht von Sonntag auf Montag dann drang der geschasste Betriebsleiter Helmut Wessel in den Getränkemarkt ein, tauschte die Schlösser aus und verschanzte sich tagelang in dem Gebäude. Die im Getränkemarkt lagernde Ware gehöre Achterkamp, sagt Tombült. Diese werde sein Mandant auch herausgeben. Achterkamp selber will sich nun seine Ware, die er für das kommende Wochenende benötigt, abholen.

Zu den Vorwürfen Achterkamps, es habe Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung gegeben - was letztlich am 10. Juli zum Rauswurf Wessels geführt hat - will sich Tombült nicht äußern. Entsprechende Vorwürfe seien bislang nicht substituiert vorgetragen worden.
Inzwischen habe Dieter Tilch den Mietvertrag mit der Betreibergesellschaft Wessel&Tilch OHG/Achterkamp gekündigt. Im Vorfeld sei Achterkamp vier Monatsmieten schuldig geblieben.
Achterkamp wiederum sagt, es handele sich hier um eine Aufrechnung, weil Wessel ihm knapp 27 000 Euro Ware schulde und es Differenzen in der Kasse gegeben habe.

Helmut Wessel ist in der Branche übrigens kein Unbekannter. Er war einst Inhaber der Mettinger Getränkegroßhandlung Wessel GmbH&CO. KG. Diese ging im Jahre 1997 pleite - Gläubiger blieben auf Millionenschulden sitzen. Damals hatte das Getränke-Fachmagazin „Inside“ schwere Vorwürfe gegen Helmut Wessel erhoben. Das Blatt schrieb damals von „Schiebereien“, derer Wessel sich bediente, um liquide zu bleiben. Die Firma sei „heiß, brandheiß sogar“, schrieb das Magazin damals.

VON JENS KAMPFERBECK


30 · 07 · 09



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