Rheine. Wer hätte das gedacht - schon im 16. Jahrhundert ließen sie die feinen Herren von Adel Austern aus den Niederlanden herbeikarren. Wofür? Dreimal darf man raten! Diese und noch andere interessante Geschichten über Sitten, Moden und Gebräuche vor 400 Jahren verriet Wilhelm von Morrien, ehemaliger Herr des Falkenhofes zu Rheine, am Donnerstagabend in einem Interview mit Museumsmitarbeiterin Norma Sukup. Zum Beispiel, dass Wilhelm schon zum Frühstück Moselwein kredenzt wurde. Und dass die Überfälle der Spanier auf seine Bauern ihm allmählich Sorgen bereiteten, weil sie seine Einkünfte empfindlich schmälerten. Der Edelmann hat natürlich längst das Zeitliche gesegnet, aber aus einem ganz besonderen Anlass war er noch einmal in den nach ihm benannten Morriensaal im Falkenhof gekommen. Dieser besondere Anlass war das 50-jährige Bestehen des Rotary Clubs Rheine, das unter anderem mit der außergewöhnlichen Bilderausstellung „Von Angesicht zu Angesicht“ im Falkenhof-Museum gefeiert wird. Die Ausstellung, die am Donnerstag eröffnet wurde, ist bis zum 31. Januar im Falkenhof-Museum zu sehen.
Es ist schon eine illustre Gesellschaft, die sich da versammelt hat: Der Amtsdroste Freiherr von Twickel, Charlotte von Basse, Bürgermeister, Kaufleute, Apotheker, Unternehmer, Geistliche, Künstler, edle Damen und stadtbekannte Originale. Die Ausstellung zeigt 40 Porträts historischer Persönlichkeiten aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie zu ihren Lebzeiten und zum Teil sogar weit darüber hinaus in der Stadt Rheine große Bekanntheit erlangten. Durch besondere Taten, folgenreiche Entscheidungen oder kuriose Begebenheiten, an die man sich bis heute erinnert, haben sie das Leben in der Emsstadt geprägt. Die Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und historischen Fotografien wurden für die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Rotary Club Rheine entstand, zusammengetragen. Viele der gezeigten Leihgaben kommen aus Privatbesitz und werden erstmalig öffentlich in einer Ausstellung präsentiert. Die Lebensgeschichten dieser historischen Persönlichkeiten werden ausführlich in dem im Verlag Altmeppen erschienenen Buch „Von Angesicht zu Angesicht - Porträts aus Rheine“ von MV-Redaktionsleiter Reiner Wellmann dokumentiert.
Ein ganz besonderes Wiedersehen gab es bei der Eröffnung am Donnerstag für Hanna Clostermann (96), deren Porträt als Baby, gemalt 1915 von dem Rheiner Maler Carl Murdfield, ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist.
Die stellvertretende Bürgermeisterin Marianne Helmes begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste im Morrien-Saal. Im Namen der Stadt und der Bürger dankte sie dem Rotary Club für die außergewöhnliche Ausstellung. „Mit dieser Ausstellung und dem begleitenden Buch zeigen die Rotarier ihre 50-jährige Verbundenheit mit Rheine", sagte Helmes. Ihr besonderer Dank galt Reiner Wellmann für die kenntnisreiche Redaktion der Texte und Kerstin Schrader für die gelungene Gestaltung des Buches. Sie dankte auch den Leihgebern der Gemälde. Reiner Wellmann überreichte Helmes anschließend das erste Exemplar des druckfrischen Buches.
Hermann Schorling, Vorsitzender des Rotary Clubs Rheine, ging kurz auf die Geschichte von Rotary ein, die sich als Service-Clubs zum Wohle der Menschen verstehen. Er dankte der Stadt Rheine für die Unterstützung bei der Vorbereitung der Ausstellung, den Leihgebern und dem Verlag Altmeppen für die Publikation des Buches.
In Vertretung für die verhinderte Museumsleiterin Mechthild Beilmann-Schöner sprach Kulturdezernentin Ute Ehrenberg. „Mit großem Vergnügen habe ich das Buch zur Ausstellung gelesen“, sagte sie. Besonders beeindruckt habe sie dabei die Lebensgeschichte des Industriellen Franz Anton Egells, der als Industriespion in England der Rheiner Textilindustrie auf die Beine half. Eine Büste Egells ist in der Ausstellung ebenfalls zu sehen.
Die Ausstellung ist bis zum 31. Januar 2010 jeweils Dienstag bis Sonntag von 10-13 und 14-17 Uhr zu sehen.