„Die Eltern stimmen mit den Füßen ab“


K. Weßling-B.
K. Weßling-B.


Rheine. Der Run auf die Gesamtschule ist ungebrochen. Zum Abschluss des vorgezogenen Anmeldeverfahrens liegen der Euregio-Gesamtschule für das kommende Schuljahr 334 Anmeldungen vor. Das ist neuer Rekord.

Ein bitterer Rekord indes, wie die Schulpflegschafts-Vorsitzende Kirsten Weßling-Busjan aus langjähriger, leidvoller Erfahrung weiß: „Weil sich die Politik in Rheine seit Jahren nicht zum Ausbau der Gesamtschule entschließen kann, müssen wieder einmal mehr als 150 Kinder abgewiesen werden.“


Tatsächlich können derzeit pro Eingangsjahrgang 180 Schüler aufgenommen werden.

Weßling-Busjan ist „ziemlich sauer“ auf die Herren und Damen im Rheiner Rat. „Seit Jahren stimmen die Eltern mit den Füßen ab. Sie entscheiden sich für die Gesamtschule, erleben aber, dass ihre Kinder wegen des politisch gewollten Kapazitätsengpasses zwangsweise andere Schulformen wählen müssen“, sagt die Schulpflegschaftsvorsitzende der Euregio-Gesamtschule.

Statt sich für die Eltern stark zu machen, die für ihre Kinder einen Gesamtschulplatz suchen, plädiere Rheines Schuldezernentin Ute Ehrenberg für eine Gemeinschaftsreal- und Hauptschule am Standort Mesum. „Es gibt keinen erkennbaren Elternwillen für diese Schule. Die Eltern in Rheine wollen ihre Kinder in der Gesamtschule unterbringen“, sagt Weßling-Busjan.

Dass Rheine beim Schulwahlverhalten der Eltern keine Insel ist, zeigten die Entwicklungen im ganzen Land. Gesamt- und Verbundschulen verzeichnen auf einem seit Jahren hohen Anmeldeniveau weitere Zugewinne, während die Anmeldezahlen an den Hauptschulen dramatisch einbrechen.

„Nach meiner Einschätzung begreifen Eltern das System Gesamtschule als Chance. Für Kinder, die später durchstarten, ist der Weg in die Oberstufe offen. Zudem können sich die Kinder hier in der Oberstufe ohne Einschränkung des G8-Rasters entwickeln.“

Laut Schulamt gehen die Absagen in der kommenden Woche heraus. Weßling-Busjan weist auf die Möglichkeit des Widerspruchs hin. Vom 22. bis 26. Februar läuft das Anmeldeverfahren an den anderern weiterführenden Schulen in Rheine.

Unterdessen sind im Schulentwicklungsplan der Stadt Perspektiven für die Erweiterung des Gesamtschulangebotes fixiert. „Der Schritt zur Erweiterung sei gerechtfertigt“, heißt es auf Seite 14. Gefragt sei eine „flexible Lösung“. Möglich wäre eine Erweiterung des Gesamtschulangebotes um zwei, maximal drei Eingangsklassen.

Konsequenz wäre die kurzfristige Aufgabe bzw. Zusammenlegung einer Hauptschule, da ein sechzügiger Schulbetrieb mit drei eigenständigen Schulstandorten nicht mehr gewährleistet wäre. Vorgeschlagen wird ein Außenstandort als Dependance-Lösung.

VON MATTHIAS SCHRIEF


12 · 02 · 10





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