Vitaly Popov in einem meisterlichen Konzert


Vitaly Popov spielte für heimatlose Kinder in Jabalpur (Indien).
Vitaly Popov spielte für heimatlose Kinder in Jabalpur (Indien).
(Foto: Winter)


Rheine. Auf Einladung des Eine-Welt-Kreises St. Dionyskirche, der sich bereits seit 15 Jahren ehrenamtlich für die Entwicklungsmaßnahmen in Indien einsetzt, kam am vergangenen Donnerstagabend der Pianist Vitaly Popov zu einem Virtuosenkonzert in den Morriensaal des Falkenhofs. Elisabeth Hafkemeyer, Sprecherin dieses Kreises, wies auf ein neues Projekt für die „Ärmsten der Armen in Jabalpur (Indien)“ hin, denn mit Spendengeldern soll eine neue Wohnunterkunft für die so genannten „Run-away-Children“ gebaut werden, „um sie vor Wellblechbehausung und Prostitution zu bewahren“.

Die angestrebte Spendenfreudigkeit wurde sicherlich mit diesem hervorragenden Klavierabend gefördert, denn mehr als 100 Zuhörer ließen sich vom Meisterpianisten Vitaly Popov verzaubern und begeisterten sich an einem Musikabend, der durch seine musikalische Geschlossenheit wirkte. Der erste Teil des Konzerts war Franz Liszt gewidmet, das Auditorium hörte drei Auswahlstücke, die besonderen Ausdruck und meisterliches Klavierspiel verlangten.


Vitaly Popov begann mit der „Ungarischen Rhapsodie Nr. 6“, einem bekannten Werk der größten Farbigkeit im Stile alter Zigeunerweisen. Er überzeugte in der starken Akzentuierung der verschiedenen Rhythmusphasen, spielte die Wechseltempi extrem aus und konzentrierte sich auf die von Liszt mit höchstem Schwierigkeitsgrad komponierten Koloraturen. Die höchste pianistische Kunst verlangt auch der „Mephistowalzer Nr. 1“, basierend auf einer Faust-Szene des Dichters Nikolaus Lenau. Zu Beginn brechen die ausufernde Fröhlichkeit einer Hochzeitsfeier aus dem gewohnten Dreiertakt eines Walzers aus, bis ein langsamer Mittelteil in erotisierender Weise Fausts Verführungswünsche begleitet. Dann baut sich die Musik zu einem mitreißenden Höhepunkt auf, schwierige Oktavbewegungen und riesige Intervallsprünge, schnellste Läufe und hohes Tempo zeugen von höchstem Schwierigkeitsgrad für den Pianisten.

Zwischen diese beiden Werke hat Vitaly Popov mit „Consolation Nr. 3“ aus dem Jahr 1849 die introvertierte Seite Liszts gestellt. Der russische Meisterpianist bot mit diesen „Tröstungen“ ein besinnlich sanftes Stück, dessen „dreifaches piano“ und weiches Legatissimo er mit viel Ausdruck im Stile der Spätromantik zum Klingen bringen konnte.

Im zweiten Teil des Konzerts spielte Vitaly Popov den Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski. Dieses Musterbeispiel der Programmmusik wurde von einer illustrierenden „Power-point-Präsentation“ begleitet, die einen Rundgang an zehn Bildern vorbei illustrierte, von denen die meisten Zeichnungen von Viktor Hartmann stammten, einem Freund des Komponisten.

Am Anfang steht die „Promenade“, die zwischen den nachfolgenden Stücken leicht verändert wiederkehrt, sie taucht mehrfach in situationsangepassten Varianten als Überleitung zwischen den Stücken auf. So ging der Zuhörer im „musikalischen Rundgang“ am Bild des missgestalteten „Gnom“ vorbei zum „Alten Schloss“, hörte den polternden Rumpelwagen („Bydlo“) und sah den lichterfüllten Park der „Tuilerien“. Jedes (musikalische) Bild zeigte den ihm eigenen Ton, im Kontrast wirkungsvoll zusammengestellt. Popov zeichnete mit aller Kraft („con tutta forza“) ein Bild und fiel beim nächsten in den leisen Ton der Wehmutsmalerei, zeigte das federleichte Küken-Getrippel und den dröhnendem Bass des Samuel Goldenberg, das lebhafte Gewirr auf dem Markt von Limoges und die düstere Stimmung der Pariser Katakombe.

Für den lang anhaltenden Schlussapplaus bedankte sich Popov mit zwei Tangos von Astor Piazzolla.

VON INGMAR WINTER


21 · 05 · 10





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