Fahrraddieb, ich find dich via Satellit!


Um neun Uhr abends stand der Sieg für das Team „Argus“ fest.
Um neun Uhr abends stand der Sieg für das Team „Argus“ fest.


Rheine/Hamburg. Mit jedem Teamnamen, der nicht ihrer war, wurden die Augen vom Team Argus der kaufmännischen Schulen Rheine größer. Ab Platz fünf, der immer noch nicht ihrer war, wurde gejubelt, bei Platz drei - immer noch nicht ihrer - hielt es sie nicht mehr auf den Stühlen. Am Ende wurde es Platz eins beim Deutschen Gründerpreis. Da brach aus den vier Schülern die Anspannung von vier Monaten harter Arbeit hervor und sie sprangen jubelnd durch das Auditorium des Gruner&Jahr-Verlags in Hamburg.

Für die besten zehn Teams gab es Geldpreise in Höhe von insgesamt 6000 Euro, die fünf besten Teams fahren im September zu einem individuell auf Schüler zugeschnittenen Management- und Persönlichkeitstraining. Das Siegerteam aus Rheine wird zusätzlich im Rahmen des vom ZDF aufgezeichneten Deutschen Gründerpreis im September in Berlin ausgezeichnet.


Gleich zwei Teams konnten die kaufmännischen Schulen unter den besten zehn Teilnehmern des diesjährigen deutschen Gründerpreises platzieren. Ein vergleichbares Ergebnis erzielte keine teilnehmende Schule. Beim von der Zeitschrift Stern, der Sparkasse, dem ZDF und Porsche ausgerichteten Planspiel mussten die Jugendlichen innerhalb von vier Monaten ein Unternehmenskonzept rund um eine Produktidee entwerfen, Finanzierungspläne aufstellen und Zielgruppenanalysen durchführen - alles für ihr „Baby“, ihre Idee, die sie in langen Sitzungen entwickelt und ausgefeilt hatten. Am Dienstagabend wurden in Hamburg die besten zehn Ideen des Wettbewerbs geehrt.


Das Team „Cleanolution“ belegte den neunten Platz.
Das Team „Cleanolution“ belegte den neunten Platz.


Die Idee des neuntplatzierten Teams „Cleanolution“ war einfach wie genial. Für Induktionskochfelder wollten sie das lästige Abwischen einsparen. Eine passgenaue, hitzebeständige Folie soll Kochflächen vor Verschmutzung schützen, ähnlich wie Frischhaltefolie in einer Abreißbox auf Vorrat gehalten. Unter der Betreuung des Designers Andreas Tschirbs von Emsa aus Emsdetten konnten die sechs Schüler bereits Interessenten gewinnen.

Die Siegeridee jedoch widmet sich einem in Rheine zum Alltäglichen gehörendem und nicht mit Spülmittel zu beseitigendem Problem: Dem Fahrradklau. Detailliert beschrieben Nathalie Bertels, André Hellermann, Karsten Volkmer und Kevin Pruß ein kleines im Rahmen versteckt angebrachtes GPS-„Zäpfchen“, die Ortung eines gestohlenen Rades würde so problemlos möglich, sollte ein Langfinger den Ortungssender gewaltsam entfernen wollen würde ein lauter Alarm Passanten auf ihn aufmerksam machen. Das Projekt der vier Abiturienten überzeugte: Mit einem detaillierten Geschäftsplan und dem Gespür für ein Bedürfnis in der Gesellschaft gewannen sie die Jury für sich. Ausschlaggebend dabei waren die enge Verknüpfung von Kunde, Fachwerkstatt und Versicherung - denn das Produkt sollte für den Kunden nahezu kostenlos durch Subventionen der Versicherungen beschaffbar sein.

„Wenn alle unsere Existenzgründer mit solchen Konzepten bei uns vorsprechen würden - wir wären begeistert“, Claudia Voß, Betreuerin des Projekts bei der Sparkasse Rheine, hebt die Qualität der Schülerarbeiten hervor. Das Potenzial und die wirtschaftlichen Grundlagen würden von allen Schülern problemlos erfüllt.

Seit Januar arbeitete Helmut Gebbe zusammen mit beiden Gruppen intensiv an den Projekte aus, die vorbereitende Lernphase begann jedoch schon am Anfang des Schuljahres. „Am Anfang gehen sie ewig schwanger mit einer Idee, dann brennen sie darauf alles umzusetzen“, beschreibt Gebbe, was bei den Schülern oft dennoch mit heißer Nadel unter Termindruck gestrickt wurde.

Termindruck hin oder her, am Dienstagabend um 21 Uhr verkündete Ernst Burgbacher, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung den Sieg der Gruppe Argus. Ein „sehr sorgfältiges und herausragend ausgearbeitetes Konzept“, bescheinigte er den Schülern.

VON JULIAN WEBER


23 · 06 · 10



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