Rheine/Spelle. Wenn Bernhard Hummeldorf die Pläne für die Erweiterung des Hafens Spelle-Venhaus betrachtet, funkeln seine Augen. Von einem „Jahrhundertprojekt“ spricht der Samtgemeindebürgermeister - nicht ohne Stolz auf das, was die Gemeinde nördlich von Rheine in den vergangenen Jahren gemeinsam mit dem Landkreis Emsland und dem Land Niedersachsen gestemmt hat. Kein Wunder, sollen doch unmittelbar hinter der Landesgrenze neue Kaianlagen für Großmotorgüterschiffe entstehen und insgesamt 28 Hektar Gewerbefläche erschlossen werden - Investitionsvolumen: rund 28 Millionen Euro.
Seit einem Monat ist sicher: Die Erweiterung kommt. Die Verhandlungen mit einem Grundstückseigentümer sind abgeschlossen. Bereits im kommenden Frühjahr werden die Bagger anrücken. „Das ist eine der größten Investitionen, die Spelle jemals getätigt hat“, sagt Hummeldorf.
Was da in Spelle entsteht, lässt sich gut anhand der Güterumschlagszahlen ablesen. In diesem Jahr werden voraussichtlich 400000 Tonnen umgeschlagen - in 15 Jahren könnten es nach einem aktuellen Gutachten knapp 900000 Tonnen sein. Mehr als doppelt so viel, wie heute. Dafür will Spelle nicht nur fünf neue Anlegestellen schaffen, auch der Stichhafen soll um 15 Meter verlängert werden. Für Hummeldorf ist die Erweiterung des Hafens nötig, um bestehende Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen. Auch die Gewerbesteuereinnahmen hat er natürlich im Visier.
Der neue Hafen soll auch an das Schienennetz angeschlossen werden. Eigens hierfür ist ein Abzweig von der von der Regionalverkehr Münsterland (RVM) genutzten Trasse Rheine-Spelle geplant. So soll in Spelle eine Schnittstelle von Wasser, Schiene und Straße entstehen. Und Bernhard Hummeldorf hat bereits eine neue Vision - den Ausbau der Bundesstraße B 70 von der Autobahn bis zum Hafen. „Das ist aber nur ein Wunsch“, sagt Hummeldorf.
Etwa 15 Monate Bauzeit sind nach Auskunft des Geschäftsführers der Hafenbetriebs- und Verwaltungsgesellschaft Spelle-Venhaus, Stefan Sändker, vorgesehen. So könnte der neue Hafen, falls alles nach Plan läuft, im Jahr 2012 oder 2013 fertig sein. Hummeldorf und Sändker loben die gute Zusammenarbeit mit Landkreis und Land. Auch innerhalb Spelles bestehe kein Dissens, was den Ausbau des Hafens angehe. „Es gibt eine große Akzeptanz in der Bevölkerung“, sagt Hummeldorf.
Mit dem Ausbau des Hafens auf der östlichen Seite des Kanals sind die Pläne der Samtgemeinde Spelle indes nicht beendet. „Perspektivisch haben wir auch das westliche Ufer im Visier“, sagt Hummeldorf. Hintergrund sind die immer größer werdenden Bauteile für Windkraftanlagen, die von hiesigen Firmen über den Dortmund-Ems-Kanal in Richtung Nordsee verschifft werden.
Diese werden aktuell noch per Schwertransport - etwa aus dem Gewerbegebiet Holsterfeld - zum Hafen Spelle-Venhaus gebracht. Noch ist die Brücke der B70 über den Kanal ausreichend. Branchenkenner sind sich sicher, dass die Anlagen für die Offshore-Windparks noch größer werden - und somit auch die Bauteile schwerer werden. Die Brücke über die Bundesstraße indes stößt irgendwann an ihre Grenzen. „Langfristig wird das ein Nadelöhr“, meint Hummeldorf. Folge: Die Schwerlastwagen können die Kaianlagen am östlichen Ufer nicht mehr erreichen. Daher möchten Unternehmen aus Rheine und dem angrenzenden Niedersachsen neue Kaianlagen errichten. Eine interkommunale Entwicklungsgesellschaft soll die weiter verfolgen.
Die Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg will auch Hummeldorf weiter vorantreiben. „Auf Dauer kommen wir nur weiter, wenn wir gemeinsam handeln“, ist er überzeugt.