Rheine - Gleich zu Beginn hatte Bundesfamilienministerin Kristian Schröder (CDU) bei ihrem Besuch im Caritas-Marienstift die Lacher auf ihrer Seite: Ihr Berliner Ministerium sei ja sehr breit aufgestellt. „Kinder, Familien, Senioren, Frauen - eigentlich bin ich für alle zuständig: außer für mittelalte kinderlose Männer“, meinte sie und fügte mit einem kessen Seitenblick auf den neben ihr sitzenden Caritas-Pressesprecher Stefan Gude hinzu: „Für Sie bin ich also nicht zuständig.“
Gude nahm es gelassen und brachte in seiner Funktion als Moderator zunächst den Dialog der Generationen in Gang. Denn die Ministerin, die mit ihrer Dienstlimousine mit nur knapp fünf Minuten Verspätung in der Mittagszeit am Marienstift vorgefahren war, wollte über zwei besondere Projekte mehr erfahren, bei denen die Seniorenwohnanlage mit der Euregio-Gesamtschule kooperiert.
Da ist zum einen die schon seit 15 Jahren bestehende Zusammenarbeit der „Altenheim AG“. Hier besuchen Schüler der Klasse fünf alle 14 Tage das Marienstift und kommen hier mit den älteren Menschen zusammen, um gemeinsam aktiv zu werden, aber auch einen regen Austausch zu pflegen.
Das zweite Projekt richtete sich an etwas ältere Schüler aus der Klasse neun, die im vergangenen Jahr die Aktion „Keine Angst vor den Alten“ durchgeführt haben. Hier hatte es eine ganze Reihe von gemeinsamen Aktionen älterer mit jungen Menschen gegeben, bei denen das gegenseitige Kennenlernen und Verstehen von Problemen der jeweils anderen Generation gefördert worden war. „Die Zeit mit den Jugendlichen möchte ich nicht missen“, meinte etwa Peter Heckhuis als Vertreter der Senioren.
Die Bundesfamilienministerin begrüßte den Dialog, der am Marienstift offensichtlich so gut in Gang gekommen ist. „Ich halte das Gerede vom Krieg der Generationen ohnehin für übertrieben“, sagte Schröder. Oft bestehe ja gerade zwischen Enkeln und Großeltern ein besonderes enges Verhältnis.
Gekommen war die 33-jährige Ministerin auf Einladung des hiesigen Bundestagsabgeordneten Jens Spahn (CDU), mit dem sie 2002 gemeinsam als Novizin im Bundestag angefangen hatte. Sie warnte eindringlich davor, ein zu negatives Bild von den Problemen zwischen den Generationen zu zeichnen. „Wenn man die Generation zwischen 65 und 85 Jahren anschaut, kommt man zum Ergebnis: Uns ist ein neues Lebensalter geschenkt worden“, sagte Schröder. Während früher die Phase nach der aktiven Arbeit von schnellem Verfall und Einbuße der Lebensqualität gekennzeichnet gewesen sei, gebe es heute eine Gesellschaftsschicht von Ruheständler, die sich durch eine große Aktivität auszeichne. „Das ist ein wichtiger Schatz, der genutzt werden sollte“, forderte die Ministerin und sah in Projekten, bei denen sich die Generationen so wie am Rheiner Caritas-Marienstift begegnen, hoffnungsvolle Ansätze.
Lobende Worte fand sie für die Einrichtung, bei der die pflegebetonte Heimatmosphäre weitestgehend abgeschafft worden sei. „Alles wirkt doch sehr freundlich hier“, meinte Schröder.