Rheine. Unsere Paten müssen draußen bleiben“, steht auf dem Transparent, das vier Mitarbeiter der Caritas-Emstorwerkstätten hochhalten. Seit 25 Jahren verbindet die Werkstätten mit den Bentlager Heeresfliegern eine Patenschaft. Gemeinsame Ausflüge, Hilfe bei Veranstaltungen, Fußballturniere. Das alles soll bald nicht mehr sein? Das wollen die vier nicht akzeptieren.
Sie sind nicht allein: Über 1000 waren am Montagabend zur großen Protestveranstaltung gegen den Abzug der Bentlager Heeresflieger in die Stadthalle gekommen. Sämtliche Landtags- und Bundestagsabgeordneten der Region und über alle Parteigrenzen hinweg, Vertreter des Stadtrates, des Kreistages, der Personalräte und Gewerkschaften waren da. Und natürlich hunderte von Soldaten und Zivilangestellten der Bundeswehr. Es waren so viele, dass in der Stadthalle nicht für alle Platz war. 200 mussten draußen bleiben, hörten die Diskussion über Lautsprecher.
Es war ein überwältigendes Votum für den Bundeswehrstandort Rheine, das in dieser Eindeutigkeit auch Generalleutnant Norbert Finster vom Bundesministerium der Verteidigung überraschte. Angesichts der massiven Proteste hatte der General an diesem Abend einen schweren Stand, wurde immer wieder durch Zwischenrufe unterbrochen und in einer Fragestunde ziemlich unter Beschuss genommen.
Im Gespräch mit Bürgermeisterin Angelika Kordfelder, Landrat Thomas Kubendorff, Wettringens Bürgermeister Engelbert Rauen und Kreisdirektor Martin Sommer beleuchtete Moderator Michael Pegel die geplante Verlegung der Heeresflieger, die praktisch zur Schließung der Kaserne in Bentlage führen würde, mit all ihren Folgen für die Soldaten und ihre Familien und für den Standort Rheine.
Bürgermeisterin Kordfelder erinnerte an die über 50-jährige Tradition der Garnisonsstadt Rheine und an die Verbundenheit der Bevölkerung mit der Bundeswehr. Sie machte auch deutlich, dass die Kritik an der Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums quer durch alle Parteien gehe. „General-Wewer-Kaserne, Damloup-Kaserne und demnächst Theodor-Blank-Kaserne - das sind 314 Hektar Fläche. Das kann eine Stadt wie Rheine ohne Hilfe von Land und Bund nicht schultern“, sagte die Bürgermeisterin.
Unterstützung erhielt sie von Landrat Thomas Kubendorff. „Wir brauchen eine schlagkräftige Armee, das erkennen wir an. Aber wir brauchen auch schlagkräftige Argumente. Sonst fühlen wir uns nicht ernst genommen“, kritisierte der Landrat die unisono lautenden Stellungnahmen des Verteidigungsministers.
Kreisdirektor Martin Sommer wies auf die 50 Millionen Euro hin, die in der Kaserne Bentlage bereits verbaut worden sind. „Die einen sagen Millionengrab, die anderen Steuerverschwendung - beides ist richtig.“ Sommer rechnete vor, dass der Fähigkeitstransfer den Bund rund 130 Millionen zusätzliche Euro kosten werde. „Alles auf Kosten des Steuerzahlers.“
Oberstleutnant Reinhard Schlepphorst, Bundesvorsitzender der Interessensvertretung der Transportflieger und Hubschrauberpiloten der Bundeswehr, hob die Belastung der Bentlager Soldaten und ihrer Familien hervor. „Unsere Soldaten sind quasi seit 20 Jahren im Auslandseinsatz. Zu diesen Belastungen kommen jetzt noch die Unsicherheiten über die eigene Zukunft hinzu.“
Richtig zornig wurde Wettringens Bürgermeister Engelbert Rauen. „Der Abzug trifft die gesamte Region. Es kann nicht sein, dass ein Standort, der bis vor wenigen Jahren noch 7000 Dienststellen hatte, jetzt völlig platt gemacht wird“, sagte Rauen. Er verwies auch auf die drohende Schließung der Zeche in Ibbenbüren. „Unsere Region trifft es massiv, da können wir nicht gegen an.“ Rauen erinnerte an den Medienaufstand, als 350 Dienststellen von der Hardthöhe in Bonn nach Berlin verlegt werden sollten. „Aber vom Münsterland spricht kein Mensch.“

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