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Scharfe Schüsse gegen das Rheiner Rathaus


Bei der Prunksitzung nahmen die Jecken aus Mesum-Dorf das Rheiner Rathaus aufs Korn.
Bei der Prunksitzung nahmen die Jecken aus Mesum-Dorf das Rheiner Rathaus aufs Korn.
(Uckelmann)


RHEINE-MESUM. Wie einst bei Asterix und Obelix leistet auch hierzulande ein „kleines gallisches Dorf“ immer noch Widerstand gegen das „römische Imperium“: Die Rede ist von der IG Karneval der Schützenvereinigung 1877 Mesum-Dorf, besser bekannt als Klein-Berlin, die am Freitagabend zum letzten Mal zur 44. Prunksitzung im Festzelt auf dem Vorplatz der alten Josefsschule lud. Entsprechend scharf schossen die Dorfschützen gegen die Politik der Stadt Rheine, was der Stimmung im gut beheizten Festzelt jedoch keinen Abbruch tat. „Wo wir im nächsten Jahr feiern, wissen wir noch nicht, aber, dass wir feiern, das ist gewiss“, sagte Sitzungspräsident Christian Grothues mit Blick auf die Debatte um die umstrittene Dorfplatzgestaltung. Auch Josef Wilp erhob mit geballter Faust das Wort: „Das tut mir in der Seele weh“.

Rheines stellvertretende Bürgermeisterin, Marianne Helmes, überreichte traditionell zur Prinzenproklamation den Schlüssel an das neue Prinzenpaar, Prinz Klaus „von Mode und Garderobe“ Westhoff und seiner Prinzessin Ingeborg von Melodie und Harmonie, und stellte fest: „Kein anderer Verein hält den Politikern so den Spiegel vor‘s Gesicht, wie die Mesumer Dorfschützen.“ Und so schlug der Vorsitzende vom Schützenverein, Christoph „Cico“ Kösters, vor, aus der Josefsschule ein Rathaus zu machen, mit Marianne Helmes als Bürgermeisterin der Herzen und Josef Wilp als Schatzmeister. Josef Wilp komplettierte das Quartett mit Pastor Heitmann als Hofkaplan und den erst vor drei Tagen in Rente gegangenen Ludger Thiemann als Dorfsheriff. Christian Grothues fasste zusammen: „Der Klein-Berliner Karneval wird durch solche Nebensächlichkeiten nicht untergehen.“


Und so folgten die Mesumer Jecken der Aufforderung ihrer neuen Prinzessin Ingeborg, „Lasst dem Frohsinn seinen Lauf“, und verabschiedeten sich mit einem Feuerwerk von der Show-Bühne an der Schulstraße. Rund 100 Mesumer Eigengewächse boten ein humoristisches Programm mit einer Mischung aus Bütt, Tanz und Show.

Der Zeremonienmeister Christoph Volmer präsentierte das Motto des Elferrats und der Session: „Die 80er sind lange her, das Surfbrett kult und vieles mehr. Der Karneval schon immer war, ‘ne gut gelaunte Narrenschar.“

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Die Höhepunkte des Abends markierte das Männertanzballett, zunächst in Polizeiuniform und später im „Borat-String-Tanga“, sowie zum krönenden Abschluss die Klein-Berliner Starparade mit ihrer Top Ten der gängigen Fetenhits aller Art, von Helene Fischer über das Safari Duo bis hin zu AC/DC.In der Bütt nahmen der „Poahlbörger“ Alfons Deitermann und Ausrufer Horst „Lommes“ Strotmann erneut die in Mesum schwer in der Kritik stehende Kreiselmeise auf’s Korn. „Wie werden wir sie bloß los?“, fragte der Poahlbörger.
Vorschläge können alle Feinde der Meise im Internet auf www.kreiselmeise.de in einem Schmäh-Vers oder gleich in einem Vierzeiler einreichen.

Die Mesumer Dorfratten um das amtierende Schützenkönigspaar und altem Prinzenpaar, Edith und Alfred Brömmelhaus, stellten in ihrer Show die Suche nach neuen Mitgliedern für die Schützenvereine in den Mittelpunkt und ritten sowohl auf den eigenen Klischees aus Mesum-Dorf, als natürlich auch auf denen aus Mesum-Feld und Elte herum. „Gleich nach Himmel und Erde erschuf der liebe Gott Klein-Berlin, den Menschen und - alles hätte so schön sein können - die Pogge“, sagte Referent Josef Kösters. Und so musste sich die potenzielle Bewerberin, Anne Helming, im Stile der Fernsehshow „Herzblatt“ zwischen dem Poggenverein, dessen Durchschnittsalter sie durch ihren Beitritt halbieren könnte, den heimatlosen Dorfschützen, die demnächst zwischen Hoher-Heide und Hasenhöhle pendeln und den Schwanenschützen in Elte, die zwar nichts zu sagen hätten, aber dafür einen schönen Dorfplatz haben, entscheiden.

Ihre Entscheidung viel schließlich zu Gunsten des Heimatvereins: „Die haben nicht die jüngsten Mädels, aber vom Essen und Trinken verstehen die was“, sagte Aspirantin Anne Helming. In der Bütt waren zudem Werner Rapien, der Geschichtenerzähler, sowie die „Bütt Babies“ Margret Brockmann in einem überdimensionalen Kinderwagen und Hanne Wefers auf dem Schaukelpferd.

Die neue große Garde um Trainerinnen Britta Tietmeier, Meike Kamp und Nadine Feismann überzeugten in ihrem ersten Jahr mit zwei Gardetänzen und mit ihrem neuen Tanzpaar Nils und Steffi Sickmann sowie mit ihrem Showtanz „Klein Brasil“, bei dem neben dem Hintergrund auch das gesamte Festzelt Kopf stand und sich zu den rhythmischen Trommelwirbeln bewegte. Im Vorfeld hatte bereits die kleine Garde ihren neuen Showtanz „Das Vermächtnis der Kleopatra“ präsentiert und dafür viel Applaus geerntet.

Wo sich der Klein-Berliner Karneval im nächsten Jahr austobt, steht noch nicht fest. Klar wurde jedoch im Finale, als alle Akteure noch einmal auf die Bühne traten und mit tosendem Beifall bejubelt wurden, dass es in Mesum auch im nächsten Jahr wieder eine fünfte närrische Jahreszeit geben wird.

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VON STEFAN UCKELMANN


05 · 02 · 12





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