Messerstecherei zwischen Kurden und Türken endet vor Gericht

Rheine/Neuenkirchen. Zur Kirmes in Emsdetten am 4. September 2009 stießen zwei Gruppen junger Männer unterschiedlicher Nationalitäten aus Greven, Rheine und Neuenkirchen aufeinander. Mit Messern, Aschenbechern, Totschlägern, Fußtritten und Faustschlägen gingen sie aufeinander los. Es floss viel Blut. Vor zwei Wochen musste sich die Gruppe aus Greven wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verantworten, gestern die Gruppe aus Rheine und Neuenkirchen. Sie sollen sich gegenseitig ihre „türkische bzw. kurdische Herkunft“ vorgehalten und provoziert haben, bis der verbale Streit eskalierte und einer das Messer zückte. Danach geriet die Schlägerei außer Kontrolle.

Da die Gruppe aus Greven deutlich schwerer verletzt wurde und ein 16-Jähriger noch heute unter den Auswirkungen der Messerstiche leidet, wurden ihre Verfahren ohne Auflagen eingestellt. Eine Klärung oder Zuordnung der Schläge und Tritte, die ihnen vorgeworfen wurden, wäre mit viel Aufwand verbunden und ziemlich aussichtslos gewesen (MV berichtete).


Gestern stand die achtköpfige Gruppe aus Rheine und Neuenkirchen wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor dem Jugendschöffengericht. Einer von ihnen, ein 19-Jähriger aus Rheine, wurde bereits vor einer Woche wegen anderer Straftaten zu zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt (MV berichtete). Gegen ihn liegen auch jetzt wieder neue Verfahren wegen Raubes vor.

Laut Anklage sollen zwei aus der Rheiner Gruppe das Messer gezogen haben. Beide behaupteten jedoch, dass die Grevener zuerst die Messer gezückt hätten. „Die haben gepöbelt und beleidigt, einer zog das Messer, Memmet trat es ihm aus der Hand“, so schilderte der 21-jährige Neuenkirchener den Tathergang. Zunächst sei die Grevener Gruppe klein gewesen, aber in Windeseile auf 15 Leute angewachsen. Einer habe seinen „großen Bruder“ mit Freunden zu Hilfe gerufen. „Der Riese hat uns mit Schlägen und Tritten bombardiert“, fuhr der Neuenkirchener fort.

Ganz ähnlich schilderten es die Mitangeklagten. Von Messerstichen wusste angeblich keiner etwas. Sie hätten die Messer „angefasst und weggeworfen“, aber keinen damit verletzt. „Die werden sich ja nicht selbst gestochen haben“, argumentierte der Richter. Nach Anhörung aller Angeklagten und einem internen Rechtsgespräch wurde das Verfahren vertagt, weil neue Verfahren gegen einige von ihnen mit verhandelt werden sollen. Für vier junge Männer aus Rheine ging der Prozess mit einer Auflage von 40 Sozialstunden zu Ende. Sie waren nur geringfügig beteiligt.

VON MONIKA KOCH


22 · 02 · 12





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