Heeresflieger und Spezialkommandos trainieren gemeinsam

Auch unter Bedrohung müssen Spezialkräfte in der Lage sein, Personen zu retten.
Auch unter Bedrohung müssen Spezialkräfte in der Lage sein, Personen zu retten.
(Bundeswehr)


Rheine. Die Heeresflieger schlagen ein neues Kapitel auf. Ihre besten Piloten, die „Top Guns“, werden zusammen mit den Spezialkräften und den KSK-Kommandosoldaten der Bundeswehr ins Trainingslager geschickt, darunter eine Handvoll Flugzeugführer vom Heeresflieger-Regiment „Münsterland“ in Rheine.

Special Operation Forces-Element, kurz SOF-Element, nennt die Bundeswehr diesen Kampfverbund, der bereits im Sommer des kommenden Jahres teilweise einsatzbereit sein soll.

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Die Aufgabe der Hubschrauber-Piloten: Sie sollen die Kommandosoldaten bei Tag oder bei Nacht schnell, präzise und punktgenau – auch unter Bedrohung – ins Ziel bringen. Das ist die Antwort der Bundeswehr auf die so genannten asymmetrische Bedrohungen – im weitesten Sinne also der Kampf konventioneller Armeen gegen Terroristen.

Beim mittleren Transporthubschrauber-Regiment 15 in Rheine wird über das Thema – zumindest nach außen – geschwiegen. Und auch weiter oben in der Bundeswehr-Hierarchie fließen die Informationen zum SOF-Element spärlich. Oder auch gar nicht. Das ist Usus bei der Bundeswehr, wenn die „schwarzen Männer“ des Kommandos Spezialkräfte (KSK) mit im Boot sind. Nichts von dem, was das Kommando tut, soll nach außen dringen.

Dass ein Heeresfliegerverband zur taktischen Unterstützung der Spezialkräfte aufgestellt werden soll, zeichnete sich indes seit längerer Zeit ab. Andere Nationen seien mit ihren Spezialkräften „weitaus autarker im Hinblick auf Lufttransporte“, sagte KSK-General Hans-Christoph Ammon kürzlich in einem Zeitungsinterview. Er sei zuversichtlich, dass seine Truppe „konzeptionell auf dem Weg zu einer Optimierung“ sei.

Rustikaler dagegen klingt die Bewertung, die einem amerikanischen Vier-Sterne-General zugeschrieben wird: „Das sind zwar tüchtige Jungs“, sagte er über die deutschen KSK-Soldaten, die in Afghanistan eingesetzt wurden. „Aber sie verfügen ja nicht einmal über eigene Hubschrauber“, fiel die Gesamtbewertung wenig zufriedenstellend aus.

Mit dem neuen Einsatzverbund Spezialkräfte soll diese KSK-Manko beseitigt werden. Einen Einblick in Aufbau und Anforderungsprofil des SOF-Elementes gibt der Heeresflieger-Hauptmann Martin Dörr. „Ausgewählte, besonders zusammengesetzte, entsprechende ausgebildete und ausgerüstete“ Heeresflieger sollen „intensiv und permanent“ mit den Spezialkräften zusammenarbeiten. „Die beteiligten Besatzungen müssen nicht nur ihr Handwerk beherrschen, sondern sich darüber hinaus mit den Spezialkräften wie eine kleine Kampfgemeinschaft ’blind‘ verstehen. Die Durchführung entsprechender Spezialverfahren ist mit diesen Kräften im engen Wirkverbund ständig zu üben und zu vertiefen“, heißt es bei Dörr.

Diese ausgewählte „Kampfgemeinschaft“ soll am Heeresfliegerstandort im schwäbischen Laupheim mit BO-105 „Swooper“-Hubschraubern und CH-53-Transport-Hubschraubern zusammengefasst werden.

„An das ausgewählte fliegerische Personal werden hohe Forderungen gestellt“, sagt Dörr. Ein strenges Auswahlverfahren trage diesem Anspruch Rechnung. Es kommen nur hoch ausgebildete Flugzeugführer zum Einsatz, die bereits Erfahrungen aus Einsätzen in Afghanistan mitbringen.

Bereits im Sommer 2009 soll eine eingeschränkte Einsatzbereitschaft gewährleistet sein. In einem weiteren Schritt soll das SOF Air Rotary / Wing (SOF Air R/W) laut Dörr in die Lage versetzt werden, „gleichzeitige Unterstützung von bis zu drei Operationen der Spezialkräfte an unterschiedlichen Einsatzorten mit Hubschraubern erfüllen zu können“.

Dörr macht auch klar, was von den „Top Guns“ der Heeresflieger-Crews im SOF-Element erwartet wird: Einsatz am Limit. Schnell rein, schnell raus. Immer nur eine Chance: „Im Rahmen einer spezialeinsatzfähigen Unterstützung von Spezialkräften hat der Hubschrauberpilot die Option eines zweiten Anfluges in der Regel nicht, so dass er überwiegend bei Nacht, auch unter Bedrohung und in Formation mit weiteren Luftfahrzeugen, eine Landung unter widrigen Umständen sicherstellen muss.“

VON MATTHIAS SCHRIEF

29 · 10 · 08



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