Rheine. Als im Dezember 2006 in der General-Wever-Kaserne letztmalig die Bundesdienstflagge eingeholt wurde und die Luftwaffe die Garnison Rheine damit endgültig verließ, war für viele ehemalige Soldaten klar, dass sie nicht so ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen wollten. Sie gründeten nicht nur die Traditionsgemeinschaft Westfalengeschwader, sondern sammelten auch alles, was an das Jagdbombergeschwader 36 und spätere Jagdgeschwader 72 erinnert.
All diese Erinnerungsstücke sind seit Freitag in den Traditionsräumen in der Bentlager Theodor-Blank-Kaserne zu sehen. Ausgestellt sind zahlreiche Exponate aus über 40 Jahren Luftwaffengeschichte in Rheine - von Zeitungsberichten über Uniformen bis hin zu einem echten Schleudersitz aus einem „Phantom“-Kampfjet.
„Wir wollen die Erinnerung an den Luftwaffenstandort Rheine aufrecht erhalten“, sagte der Vorsitzende der Traditionsgemeinschaft, der frühere Kommodore und Oberst a.D. Johannes Hassenewert, bei der Eröffnung der Traditionsräume. Zahlreiche Gäste kamen in die Offiziersheimgesellschaft, darunter auch Fürst Christian zu Bentheim und Steinfurt, der seit langem eine enge Verbindung zum Westfalengeschwader pflegt. Besonderen Dank richtete Hassenewert an die Heeresflieger. Ohne deren Unterstützung sei die Einrichtung der Traditionsräume nicht möglich gewesen. Die stellvertretende Bürgermeisterin Monika Lulay unterstrich in ihrer Rede die stets enge Verbindung zwischen Bevölkerung und Bundeswehr in Rheine. „Ihre Geschichte ist auch unsere Geschichte“, sagte sie.
Die „Private Militärgeschichtliche Sammlung“, wie die Ausstellung offiziell heißt, ist nach Aussage von Oberstleutnant Thomas Schmitz vom Luftwaffenamt in Köln erst die zweite ihrer Art in ganz Deutschland. „Die Sammlung dient nicht nur der Erinnerung für ehemalige Soldaten, sondern auch der politisch-historischen Bildung aktiver Verbände“, sagte Schmitz. Deshalb solle sie auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. „Ich hoffe, dass sie kein verstecktes Dasein führt“, sagte der Stabsoffizier.
Das mittlere Transporthubschrauberregiment 15 will seinen jungen Soldaten die Ausstellung zeigen. „Hier gibt es Geschichte zum Anfassen, zum Begreifen“, sagte der stellvertretende Kommandeur, Oberstleutnant Markus Doerenkamp.
Für eine launige Einführung in die Ausstellung sorgte anschließend Generalleutnant a.D. Peter Vogler. Der frühere Befehlshaber des Luftwaffenführungskommandos war von 1984 bis 1987 selber Kommodore des JaboG 36.