Steinfurt - Ersatz für die Brücke in der Friedenau, mehr Kindergartenplätze für Unterdreijährige, eine zentrale Mensa in Borghorst auf dem Arnold-Kock-Gelände anstatt je eine für Realschule und Gymnasium, mehr Freizeitangebote für Jugendliche, ein möglichst preiswerter Straßenausbau - in der Meckerecke pappten die weißen Zettel dicht aneinander. Da war an den Stellwänden für die vier Themenkomplexe schon deutlich mehr Platz. Kein Wunder, bei der Menge von Informationen, die die Rathaus-Mitarbeiter gestern Abend für die 80 Teilnehmer des Bürgerhaushalts parat hatten, war für das eigentliche Ideenschmieden oft nur wenig Zeit.
Es war die insgesamt vierte Runde, zu der Bürgermeister Andreas Hoge seit seinem Amtsantritt eingeladen hatte. Und es war eine besondere. Schließlich konnten die Bürger erstmalig das Geld mit beiden Händen ausgeben, stand doch die Verteilung der 4,5 Millionen Euro, die Steinfurt aus dem Konjunkturprogramm II vom Bund erhält, im Mittelpunkt des Abends. Der Gastgeber musste bei seinen Zuhörern allerdings gleich zu Beginn die erste Euphorie dämpfen. Schließlich dürfen die Zuschüsse nur für ganz bestimmte Projekte ausgegeben werden. Und welche das genau sind, steht bisher bekanntlich noch gar nicht fest. Darum spielt die Stadt Roulette: Sie hat einen Großteil des Geldes für Neubauten verplant, für die es zurzeit noch gar nicht verwandt werden darf. Erst wenn die viel diskutierte Änderung des Grundgesetztes auch tatsächlich beschlossen wird, kann die Stadt zum Beispiel den Neubau der beiden Mensen aus den Konjunkturmitteln finanzieren. Andreas Hoge: „Sonst müssen wir sie aus dem laufenden Haushalt bezahlen.“