Flucht in die Fiktion


Um Drachen, Elben und Orks drehen sich Alfred Bekkers Geschichten. Der erfolgreiche Autor und gebürtige Borghorster ist aber auch in anderen Genres aktiv.Foto:
Um Drachen, Elben und Orks drehen sich Alfred Bekkers Geschichten. Der erfolgreiche Autor und gebürtige Borghorster ist aber auch in anderen Genres aktiv.Foto:
(Jens Spickermann)


Borghorst - Für Spielereien und Variationen mit der Sprache hat Alfred Bekker wenig übrig. „Es geht in erster Linie ums Geschichten erzählen“, sagt der ehemalige Borghorster, der nun in Lengerich wohnt. „Die Erzählstruktur ist nur das Mittel zum Zweck, um im Kopf des Lesers einen Film anzuwerfen“, findet er. Deswegen sind seine Romane unkompliziert, dialoglastig und simpel in der Struktur. Bekker hat geschafft, wovon viele Leute träumen: Er kann vom Bücher schreiben leben. Vor allem in der Fantasy-Sparte ist er erfolgreich. Er schreibt wie am Fließband, über 150 eigene Bücher stehen bei ihm im Regal. Dazu kommen noch diverse Kurzgeschichten und Romanserien, an denen er mitgearbeitet hat. In seinen Fantasy-Geschichten tummeln sich typische Fabelwesen: Drachen, Elben, Orks und andere Kreaturen. Daneben schreibt er Krimis und probiert andere Genres, wie Liebesromane aus, allerdings unter einem Pseudonym.

Der ehemalige Grundschullehrer ist in Borghorst aufgewachsen und zur Schule gegangen. „An die Stadt habe ich nur gute Erinnerungen“, wirft er ein, um danach direkt wieder auf seine Geschichten zu sprechen zu kommen. „Ich schreibe, was ich selber gerne lesen würde“, erzählt er. Karl May und Dashiell Hammett haben ihn als Kind fasziniert.


„Die meisten Ideen kommen mir beim Schreiben“, beantwortet er, woher er seine Inspirationen nimmt. Wenn er seine Bücher kreiert, muss er immer wieder Entscheidungen treffen. „Beim nächsten Buch kann ich dann wieder aufgreifen, wie die vorherige Geschichte alternativ hätte verlaufen können.“

Die Hauptaufgabe der Literatur sieht er in der Unterhaltung. Diesen Anspruch haben auch seine Werke. „Die Leute fliehen gerne in andere Welten, in denen die Probleme leichter zu lösen sind“, beschreibt er die Aufgabe der Fantasy-Literatur und sieht sich mit seinen Büchern genau im Trend der Zeit.

„Die Ängste und Konflikte aus dem wahren Leben kann man in eine fiktive Welt übertragen und so besser verarbeiten.“ Harmonisch geht es in seinen Büchern nicht zu. Zwar werden sie zum großen Teil von Kindern gelesen; die mögen Harmonie. „Aber Harmonie ist nur aufgrund des Gegenteils wahrnehmbar“, kontert der Autor.

Von allen Genres interessiert Bekker sich für Fantasy am meisten. Beim Leser ein authentisches Gesamtbild zu erzeugen, ist in Fantasiewelten am einfachsten. „Das Pro­blem ist, dass der Leser in realitätsnahen Geschichten alles überprüfen kann“, erklärt der Schriftsteller.

Die Kunst des Schreibens und Beschreibens besteht für ihn darin, unscharf zu lassen, was beim Leser Widerspruch aufgrund des Erfahrungshorizontes auslösen kann. „Wenn ich ein Auto falsch beschreibe, merkt das jeder. Bei Drachen muss ich nicht so genau sein“, schmunzelt Bekker. Er will dem Leser die Möglichkeit geben, den ganz persönlichen Film im Kopf ablaufen zu lassen.

Trivial sind Bekkers Bücher schon. Sie haben keinen analytischen Charakter, keinen Bildungsanspruch, sind nicht zeitkritisch. Bekker möchte eben Geschichten erzählen, fantastische Welten erschaffen und den Leser in eine einfachere Welt versinken lassen. Das gelingt ihm immer wieder aufs Neue.



17 · 08 · 09





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