Der Ibbenbürener Klaus Albers hat mit seinem Handbike bereits mehrere Marathons bestritten


Klaus Albers ist seit 1970 durch einen Verkehrsunfall querschnittsgelähmt. Er hat vor wenigen Jahren das Handbiken für sich entdeckt und ist jüngst beim 36. Berlin-Marathon mitgefahren.
Klaus Albers ist seit 1970 durch einen Verkehrsunfall querschnittsgelähmt. Er hat vor wenigen Jahren das Handbiken für sich entdeckt und ist jüngst beim 36. Berlin-Marathon mitgefahren.
(Fotos: Elke Lutterberg)


Ibbenbüren. Ein schwerer Verkehrsunfall 1970 veränderte das Leben Klaus Albers radikal. Der heute 63-jährige studierte Sport auf Lehramt. Lehrer ist er geworden, aber für Mathematik und Englisch. Die Querschnittslähmung erforderte ein Umdenken, aber alles, was Albers erreichen wollte, erreichte er auch: „Ich habe trotz der Behinderung alles konsequent durchgezogen. Das Einzige, was ich nicht konnte, war laufen.“ Die Schüler an der Hauptschule am Aasee akzeptierten ihren Lehrer: „Die hatten kein Problem. Im Gegenteil, bei Klassenfahrten, wenn irgendwo kein Lift war, haben die mich hoch geschleppt.“

Klaus Albers hält sich mit Schwimmen fit, denn Rollstuhlbasketball war nichts für ihn: „Das habe ich vor meinem Unfall gespielt, da habe ich nur verglichen.“ Vor etwa drei Jahren entdeckte er einen Sport, dem er mit der gleichen Leidenschaft wie damals dem Basketball und dem Turnen nachgehen kann: dem Biken. „Das ist jetzt eine ganz spezielle Rollstuhlsport-Geschichte. Ich habe mir zuerst ein Adaptivrad angeschafft und konnte wieder Konditionssport betreiben. Dann kam ich auf die verrückte Idee, im April 2008 in Hamburg am Marathon teilzunehmen.“ 3000 Kilometer Training lagen hinter Albers. Bei schlechtem Wetter trainiert Albers in seiner Remise auf einer Trainingsrolle, ansonsten fährt er durch den Brook auf den Wirtschaftswegen oder am Kanal entlang: „Die Strecke ist toll asphaltiert. Was mich aber immer wieder ärgert, sind die freilaufenden Hunde. Die Tiere, aber auch die Besitzer können die Geschwindigkeit gar nicht einschätzen. Ich habe da schnell bis zu 35 Stundenkilometer drauf.“ Manchmal wird Albers von seiner Ehefrau Angelika begleitet. „Auf einem normalen Fahrrad, da kann sie natürlich nicht mithalten“, so Albers augenzwinkernd.


Beim ersten Marathon mit dem Vorspannfahrrad kam Albers eine Stunde später als der Schnellste ins Ziel: „Da habe ich mir geschworen, das tust du nie wieder und mir ein Handbike angeschafft.“ Den ersten Marathon mit dem neuen Handbike im September 2008 in Berlin brachte den Erfolg: „Das war ein großer Unterschied, ich habe eine Stunde und 35 Minuten gebraucht. Da ist die Motivation noch größer geworden.“ Rund 6000 Trainingskilometer absolvierte Albers für 2009. In Hamburg, im Frühling 2009, war er zwar nicht schneller, aber bei dem Marathon am 20. September in Berlin fuhr Albers eine Zeit von einer Stunde und 29 Minuten. „Das sind sechs Minuten Unterschied, trotz eines Unfalls“, so Albers. Er sei in einer schnellen Gruppe gefahren, im Windschatten sei man eben schneller. Natürlich berge das Gefahren. „Ein paar Andenken habe ich mir von dem Sturz mitgebracht. Abschürfungen am Arm und am Helm.“ Aber es habe nur eine Minute gedauert, bis er wieder auf seinem Handbike gesessen habe und weitergefahren sei.


Klaus Albers würde sich über einen Trainingsparter sehr freuen.
Klaus Albers würde sich über einen Trainingsparter sehr freuen.
(Fotos: Elke Lutterberg)


Ambitionen, unter den rund 53 Handbikern einer der Besten zu sein, hat Albers nicht: „Mir geht es darum, meine Zeit zu stabilisieren. Damit bin ich zufrieden. Der Schnellste in meiner Kategorie B brauchte für die 42,195 Kilometer eine Stunde und fünf Minuten, 48 Sekunden. Die Teilnehmer in meiner Kategorie, da gibt es Abstufungen bei der Schwere der Behinderung, sind im Schnitt 15 bis 20 Jahre jünger. Ich war der 24., nicht schlecht, wenn man mein Alter berücksichtigt. Nur zwei der Teilnehmer waren älter als ich, und die sind hinter mir geblieben.“ Außerdem sei es ein unbeschreibliches Gefühl, bei einem Marathonlauf mit mehr als 41000 Teilnehmern - davon 170 im Rollstuhl - dabei zu sein.

Albers möchte das Interesse für den Sport wecken: „Ein Trainingspartner, weiblich oder männlich, behindert oder nicht, das wäre schon schön. Ich fahre ziemlich alleine durch die Gegend. In der Gruppe oder zu zweit würde es noch mehr Spaß machen.“ Klaus Albers jedenfalls ist begeisterter Handbiker: „Die Kommentare, die ich oft von Kindern oder Jugendlichen bekomme, vergesse ich nicht: ,Coole Karre, ,geiles Rad, ,Boah, hat der was inne Arme oder ,Will ich auch haben sind nur einige davon.“

Wer Interesse am Handbiken hat, kann sich bei Klaus Albers unter 0173/ 2691227 melden.



01 · 10 · 09





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