Beim Lernen sind manche Kinder begabter als andere. Einige saugen neues Wissen regelrecht auf. Solche Schülerinnen und Schüler richtig zu fördern, bedarf einer sensiblen Vorgehensweise.Foto: (Stephanie Hofschlaeger / Pixelio)
Westerkappeln - Woran erkennen Lehrer Kinder mit einer Hochbegabung ? „Dazu muss man sicher erst einmal die Definition anschauen“, sagt Bärbel Münzberg-Schimpf, Leiterin der Grundschule Handarpe. Und diese sei nicht eindeutig, weshalb die erfahrene Pädagogin - wie einige in der Wissenschaft - lieber von Entwicklungsvorsprüngen spricht.
Die beiden Grundschulen in Westerkappeln haben eigene Konzepte entwickelt, um Kinder mit besonderer Begabung zu fördern. „Dabei gibt es Leute, die fragen, warum Kinder gefördert werden sollen, denen sowieso alles zufliegt“, berichtet Münzberg-Schimpf. Doch würde dieses unterbleiben, bestehe bei den betroffenen Kindern die Gefahr beispielsweise von Selbstüberschätzung oder auch Leistungsabfall.
Die Grundschule Stadt hat ein „Drehtürmodell“ entwickelt, wie Roswitha Lührmann, just verabschiedete Rektorin, erläutert. Falle ein Mädchen oder Junge dadurch auf, dass er mit dem regulären Lernstoff offensichtlich unterfordert ist, biete die Schule Schnupperunterricht in einem höheren Jahrgang an. „Meistens in nur einem Fach und meistens ist das Mathe“, sagt Lührmann. Nach ein paar Wochen gebe es ein Gespräch mit allen Beteiligten, ob das Kind - ebenfalls für einen abgegrenzten Zeitraum - am kompletten Unterricht der höheren Stufe teilnehmen kann.
Erst danach werde entschieden, ob der Schüler in der älteren Klasse bleibt. Allerdings komme es auch vor, dass das Kind dieses gar nicht will. „Dann muss es Zusatzfutter bekommen“, betont Lührmann.
Bei allen Kindern - egal ob Durchschnitt oder mit Entwicklungsvorsprüngen - komme es darauf an, die Lernfreude zu erhalten, erläutert Münzberg-Schimpf. Schon in der Lernanfangsphase werde den Schülerinnen und Schülern deshalb differenzierendes Material mit unterschiedlich anspruchsvollen Aufgabenstellungen an die Hand gegeben. In den Klassen 3 und 4 werde diese innere Differenzierung fortgesetzt. So könnten die Kinder - alleine, mit einem Partner oder in Gruppen - auch kleine Expertenarbeiten anfertigen und diese in den Klassen präsentieren.
Wenn möglich, erhielten Kinder mit besonderem Leistungsvermögen zusätzliche Stunden, so Münzberg-Schimpf weiter. In Einzelfällen könne es auch sinnvoll, dass die Kinder eine Klasse überspringen. „Aber immer nur in Absprache mit dem schulpychologischen Dienst und mit den Eltern“, stellt die Leiterin der Grundschule Handarpe klar.
Bereits wenn die Kinder in die Schule kommen, absolvieren sie im Süden einen Einschulungsparcours, bei dem ihre Begabungen in Sprache, Mathematik, Motorik und Wahrnehmung getestet werden. „Danach schauen wir natürlich die ganzen vier Jahre“, sagt Bärbel Münzberg-Schimpf.
Dass Kinder eine Klasse überspringen, seien aber Einzelfälle, erzählt Roswitha Lührmann. „In den zehn Jahren, die ich in Westerkappeln war, ist das vier oder fünf Mal vorgekommen.“ So ein Schritt habe schließlich auch eine soziale und psychologische Komponente. Denn die „Überflieger“ sind jahrelang die Jüngsten in der Klasse. „Und die Älteren gehen nicht immer rücksichtsvoll damit um“, gibt Lührmann zu bedenken.
Häufiger sei schon die vorzeitige Einschulung eines Kindes. Doch auch dabei ist Sensibilität geboten, mahnt Lührmann. „Es kommt ja nicht nur der Kopf in die Schule.“ Münzberg-Schimpf pflichte bei: „Es kann durchaus sein, dass ein Kind im emotional-sozialen Bereich noch nicht so weit ist.“
Dann droht am Ende die Gefahr, dass die Mädchen oder Jungen trotz besonderer Begabungen doch noch Ehrenrunden drehen.