Übrigens: Beine hoch, Chipstüte auf

Ich möchte Ihnen heute mein Haustier vorstellen. Obwohl: „Haus“-Tier stimmt eigentlich nicht. Es ist vielmehr mein ganz eigenes, persönliches - sozusagen „inneres“ Haustier. Und wie sich das gehört, hege und pflege ich mein Tierchen. Es ist ein Hund. Ein Schweinehund.

Gestern habe ich ihm wieder Gutes getan: Glotze an, Beine hoch, Chipstüte auf. So ein Schweinehund, besonders ein innerer, will schon gepflegt sein, damit er nicht ständig bellt und an der Kette zerrt. Zum Joggen ist es ja im Moment auch viel zu kalt. Außerdem fängt es gerade wieder an zu regnen.


Ich nehme mal an, bei Ihnen ist es genauso: Kommt Silvester und ist das neue Jahr in Sicht, rücken wir unserem possierlichen inneren Haustierchen aufs Fell - mit guten Vorsätzen. Weniger Süßkram, mehr Sport, weniger Stress, gesünderes Essen - all das gefällt zumindest meinem Schweinehund gar nicht. Und er versteht es, mir die guten Vorsätze zu vergraulen: „Schokolade ist ja sooo lecker!“, heult er verführerisch im hintersten Winkel meines Hirnskastens - etwa da, wo mein fester Willen sitzt, in direkter Nachbarschaft von Disziplin und Motivation. Und Pizza, „denk mal daran, wie gut die duftet!“, bellt er quer durch meine Gehirnzellen, während er mit der Fernbedienung der Glotze vor meinem inneren Auge wedelt. Mein Schweinehund kann so überzeugend sein. Gar nicht so einfach, dieses Mistvieh zu überwinden.

Übrigens: Einen „Schweinehund“ gab es früher wirklich. Er wurde bei der Jagd auf Wildschweine eingesetzt, hieß auch „Sauhund“ und zeichnete sich dadurch aus, dass er sein Opfer bis zur Ermüdung hetzte und nicht mehr locker ließ, wenn er sich einmal verbissen hatte - was mich haargenau an mein inneres Wesen dieser Gattung erinnert.

Das Problem ist einfach unsere Biologie. Unser Hirn lebt von Gewohnheiten und Routine. Mein Schweinehund zum Beispiel läuft da oben ständig hin und her und schafft einen Trampelpfad aus Gehirnzellen, den selbst gute Vorsätze nur schwer wieder verlassen können. Will heißen: einmal Beine hoch und Chipstüte auf, immer Beine hoch und Chipstüte auf.

Oh, jetzt muss ich aber aufhören! Mein Haustier ruft, hören Sie‘s? „Hör‘ auf mit dem Schreiben! Hol‘ dir lieber einen Kaffee!“ Ok, ich mache mit dem Text später wei. . .



28 · 01 · 12



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