Übrigens: Aber bloß nichts wegwerfen!

Wenn Archäologen in ein paar Jahrhunderten einmal ausgerechnet unser Haus aus dem Münsterländer Lehmboden ausgraben, werden sie über eine wissenschaftliche Sensation jubeln. Ich sehe schon die Schlagzeilen vor mir: „Komplette Lebensgeschichte einer Kleinfamilie kommt ans Tageslicht“. Tja, liebe Historiker der Zukunft: So ist das eben, wenn man nichts wegschmeißen kann.

Wir haben einen großen Keller. Der ist das Problem. Alles, was im Weg steht und im Moment oder auf Dauer nicht mehr gebraucht wird, kommt da rein - und verschwindet wie in einem schwarzen Loch, der Vergessenheit anheimgestellt. In Räumen und Regalen, Kisten und Kästchen schlummern Wegbegleiter unseres Lebens, Erinnerungsstücke und Sammelsurien, Aussortiertes und Abgelegtes.


Ok. Der Keller ist nicht das eigentliche Problem. Es ist vielmehr unsere archaische Veranlagung, zu jagen und zu sammeln. Wir können einfach nichts wegschmeißen. Und so schlummert meine Plattensammlung aus der Jugend neben einem großen Karton voller Musikcassetten, hängen Jacketts aus den 80er Jahren neben Opas altem Bademantel, stapeln sich Bücher und Zeitschriften, die im Wohnzimmerregal keinen Platz mehr haben. Wer weiß, wann man es noch mal brauchen kann?

Unsere Kinder haben die Veranlagung zum Horten ihrer Devotionalien schon übernommen. Sie sortieren zwar dann und wann ihre Zimmer aus - „Aber bloß nichts wegwerfen!“ Ich weiß zwar nicht, wann wir die Beißringe und Babyrasseln noch mal brauchen; aber sie lagern geduldig neben Kinderwagen und Buggy in unserem schönen, großen, vollen Keller.

Völlig verstört kam gestern ein Kollege in die Redaktion. „Meine Frau hat aufgeräumt - und alles weggeschmissen!“ Ich teile seine Empörung und empfinde tiefes Mitgefühl. Aber noch schlimmer hat es ein Bekannter angestellt: Der fand nach drei Jahren einen ungeöffneten Umzugskarton auf dem Dachboden - und hat ihn ungeöffnet an den Sperrmüll gestellt. Der muss doch krank sein. . .



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