Wettringen. „Das waren noch Zeiten damals“ - in solchen Sätzen steckt Wahrheit. Der Wandel der Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten ist offensichtlich; und er hat auch die Umstände für die Pflege von alten Menschen verändert. Über dieses Thema sprach Birgitt Overesch, seit Sommer 2011 die Leiterin des Elisabethstifts, bei der Caritas-Dekanatsaltenkonferenz am Montag.
Dekanatsaltenkonferenz - ein kompliziertes Wort für eine einfache Sache: Sechs Mal im Jahr richtet der Caritasverband Rheine für die Ehrenamtlichen der Altenhilfe in den katholischen Kirchengemeinden in Rheine, Neuenkirchen und Wettringen eine solche Versammlung aus. „Dort sollen die Ehrenamtlichen die Möglichkeit zum Austausch von Erfahrungen haben und neue Informationen mit in ihre Kirchengemeinden nehmen“, erklärte Anja Rickert, hauptamtliche Ansprechpartnerin des Caritasverbandes Rheine. Und jedes Mal gibt es einen Vortrag in lockerer Atmosphäre zu einem Thema rund um die Altenpflege - am Dienstag informierte Birgitt Overesch die etwa 30 Ehrenamtlichen über „Pflege früher, Pflege heute“ - ein „emotionales Thema mit unwahrscheinlich vielen Facetten“, erklärte sie.
Der Bereich Familie habe erheblichen Einfluss auf die Pflege. Damals sei es Standard gewesen, viele Kinder zu haben, von denen mindestens eines zu Hause blieb und die Eltern pflegte. Die anderen Kinder seien noch in der näheren Umgebung ansässig geblieben - im Gegenteil zur heutigen Zeit, in der Kinder mobil seien und oft nicht mehr am Ort wohnen würden. Da stelle sich die Frage: „Wer pflegt dann die Eltern und Großeltern?“ Hinzu komme die Rollenverteilung - früher klassisch („die Frau bleibt zu Hause, der Mann geht arbeiten“), heute komplett verändert. „Die Frau geht selbstverständlich auch arbeiten, es gibt mehr Individualität“, erklärte Overesch und kam zu dem Fazit: Der Familienzusammenhalt, der früher eine Art „Lebensversicherung“ gewesen sei, nehme heute ab.
Was das Problem noch verschärfe: der demografische Wandel. Eine Frau bekomme noch 1,2 Kinder im Durchschnitt - so sei die Verteilung der Generationen früher (viele junge Menschen und wenig ältere) mit einem Tannenbaum vergleichbar, heute gleiche sie eher einem Pilz, da die Lebenserwartung aufgrund von besserer medizinischer Versorgung, Hygiene und Essen steige. „Somit steigt die Gruppe der zu versorgenden Menschen - gleichzeitig sind die Familien auf die Hilfe von außen angewiesen wie Sozialstationen und Haushaltsdienste“, resümierte Overesch.