Spikkers nächster Coup: Pierre Lang gekauft

Mitgründer Hans Andersen und Neubesitzer Helmut Spikker nach der Vertragsunterzeichnung. Foto:
Mitgründer Hans Andersen und Neubesitzer Helmut Spikker nach der Vertragsunterzeichnung. Foto:
(Pierre Lang)


Ahlen - Pierre Lang ist verkauft. Der Modeschmuckhersteller mit Sitz in Wien gehört jetzt Helmut Spikker. Der Unternehmer gliedert den Branchenprimus in seine neue Unternehmensgruppe ein - und hat damit auf einen Schlag rund 800 feste Mitarbeiter und nach Unternehmensangaben einen Jahresumsatz von rund 125 Millionen Euro.

Pierre Lang stellt seit über 40 Jahren Schmuck her, den rund 6000 Berater ausschließlich im Direktvertrieb verkaufen. Produziert wird in Wien und Irland. Helmut Spikker hat nach eineinhalbjährigen Verhandlungen die Pierre-Lang-Gruppe gekauft. Ein Verkauf an die Firma Swarovski war gescheitert - Spikker zeigte sich wegen des berühmten Markennamens Pierre Lang „sehr glücklich“, dass er den Zuschlag erhalten hat. „Das ist eine Marke, die seriös und international renommiert ist. Wir werden eine große Anzahl an Beratern hinzugewinnen.“


Für die Belegschaft von Pierre Lang ist damit eine jahrelange Zitterpartie zu Ende: Die Gründer, die Brüder Andersen, hatten schon seit Jahren ihren Rückzug angekündigt. „Die Beschäftigten waren sehr beruhigt, dass an einen strategischen und nicht an einen Finanzinvestor verkauft wurde“, so Spikker in seiner Villa am Montagmittag.

Der will das Label nicht nur erhalten, sondern es ausbauen. Ein namhafter Designer soll nun noch Mode unter dem Namen entwerfen; Spikker verhandelt mit einem Top-Model, das der Schmucklinie überdies ein Gesicht geben soll. Sein Ziel: die zeitnahe Verdopplung des Jahresumsatzes. Ihm sei wichtig, dass die wertvolle Marke fortgeführt werde: „Wir betrachten das als Erbe.“

Pierre Lang gehört damit zu der neuen Unternehmensgruppe von Spikker, mit der er seine im April 2008 gemachte Ankündigung verwirklicht. Der Schmuck wird in einem guten Dutzend europäischer Länder verkauft - Spikker verriet außerdem den Kauf einer weiteren, noch ungenannten Firma, die für ihn eine unternehmerische Plattform in USA und Asien darstellt. „Ich hatte ja gesagt, dass wir weltweit aktiv sein werden.“

Die Zukäufe werden seine neue Firma und besonders auch den Standort Ahlen stärken. „Ahlen hat immer eine zentrale Rolle: Hier laufen die Fäden zusammen“, meinte der 50-Jährige. Der neue Betrieb an der Guissener Straße steht im Rohbau bereits, die Bodenplatte ist fast fertig, der Trockenbau im Verwaltungstrakt läuft. „Wir sind sogar eine Woche vor dem Zeitplan“, so Spikkers langjähriger Weggefährte und PR-Berater Thorsten Nigge. Zum Betriebsstart am 1. Mai (Spikker: „Da öffnen wir die Pforten“) werden rund 200 Beschäftigte für Spikkers neue Gruppe arbeiten. Neben Produktion, Verpackung und Logistik geht noch ein Call- und Servicecenter an den Start.

Mit dem Erwerb von Pierre Lang sei ihm ein großes Ziel, ein „wichtiger Meilenstein“ gelungen, resümmierte Helmut Spikker, der nochmals von einem „weltweit völlig neuartigen Businessmodell“ im Direktvertrieb sprach. Was die Wachstumschancen seiner unternehmerischen Vision angeht, hat er ebenfalls schon ganz klare Vorstellungen. „Wir streben weltweit eine Milliarde Euro Jahresumsatz an - in fünf bis zehn Jahren.“

VON JÖRG PASTOOR, AHLEN

11 · 01 · 10




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