60 Jahre KG Nett un Oerndlik

Richtige Uniformen waren in der
Anfangszeit noch Mangelware


Alexandra Matyssek und Michael Berning begaben sich im Archiv der „Ahlener Zeitung“ auf Spurensuche.
Alexandra Matyssek und Michael Berning begaben sich im Archiv der „Ahlener Zeitung“ auf Spurensuche.
(Montage: Christian Wolff)


Ahlen - „In letzter Minute“, schreibt die „Ahlener Volkszeitung“ am 9. Februar 1952, „hat sich dem Trio der Ahlener Karnevalsgesellschaften eine vierte angeschlossen.“ Die KG „Nett un Oerndlik“, die in jenem Bericht noch fälschlicherweise „Oerdentlich“ geschrieben wird, bereichert das karnevalistische Treiben in Ahlen - inzwischen seit genau 60 Jahren.


Ausführliche Berichterstattung in der Samstagsausgabe der „Ahlener Zeitung“.

Die erste öffentliche Nennung der neuen Narrengruppierung in der „AV“ erfolgte genau vier Tage nach der Gründung. Auf der Suche nach den ersten Spuren ihrer KG begaben sich Alexandra Matyssek und Michael Berning ins Zeitungsarchiv und erfuhren dort, dass die Senatoren von „Nett un Oerndlik“ sogar schon den 1952er-Rosenmontagszug mitgestalteten. Eine Tatsache, die in den offiziellen Festschriften der Gesellschaft bisher nicht vorkam. Darin heißt es nämlich, dass „Nett un Oerndlik“ erst in der Session 1952/53 in Erscheinung getreten ist. „Es fehlte noch an Uniformen“, weiß Berning. Deswegen seien alle Auftritte auf die Nachfolgesession gelegt worden. Aber für die Einkleidung der Senatoren zum Umzug reichte es dann offenbar doch schon.


Von der Gründungsversammlung selbst existiert tatsächlich kein Pressebericht, aber die Erwähnung im Vorfeld der „Tollen Tage ‘52“ ist eindeutig. Sicher ist ebenfalls, dass die Wiege der KG im Saal der Gaststätte Ulmenhof, damals von Familie Schmedding betrieben, an der Ecke Gemmericher Straße / Am Röteringshof stand. Wie schon zuvor bei der KG „Neustadt“ war Job Schäfer die treibende Kraft, eine weitere Gesellschaft aus der Taufe zu heben. Sein Ziel war es, im Stadtgebiet „für jede Himmelsrichtung“ eine Narrentruppe zu installieren und unter dem Dach des kurz zuvor gegründeten „Bürgerausschusses zur Förderung des Ahlener Karnevals“ (BAS) zu vereinen.

Ausführlicheres über „Nett un Oerndlik“ ist aus den Folgejahren überliefert. So stieß Schriftführerin Alexandra Matyssek auf einen ausführlichen Bericht über die erste Gala-Prunksitzung der Gesellschaft, bei der das „Gilepo-Quartett“ mit der Eigenkomposition „Da pfeif doch drauf“ für mächtig Stimmung im „Ulmenhof“ sorgte.

Der erste Präsident Gerd Agedemeier sorgte sich während seiner Führungszeit nicht nur um ein reges Vereinsleben, sondern suchte mit seinem Vorstand und den Aktiven ebenso Freundschaften zu anderen Karnevalsgesellschaften: Über viele Jahre pflegte „Nett un Oerndlik“ eine intensive Freundschaft zu dem Bockum-Höveler Karnevalsverein „Korn-Blumen-Blau“. In den Jahren 1956 bis 1960 gab es viele gegenseitige Besuche, vor allem bei den Gala-Abenden. Agedemeier rundete seine Präsidentschaft mit der Prinzenstellung ab und präsentierte den Ahlenern 1960 Stadtprinz Lothar I. „Der Oerndlike“ Lieftüchter.

Nach der Session 1960/61 trat Gerd Agedemeier von seinem Amt als Präsident zurück. Für ein Jahr folgte Paul Schramm, dann für 13 Jahre Helmut Sulk.

VON CHRISTIAN WOLFF, AHLEN


03 · 02 · 12





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