Münster - Drei Jahre hat sich der Historiker Prof. Dr. Frank Becker mit Carl Diem befasst. Nun liegen die Ergebnisse seiner Forschungen vor - und sie zeichnen kein vorteilhaftes Bild des wegen seiner NS-Vergangenheit seit Jahrzehnten umstrittenen Sportfunktionärs. „Diem war beileibe kein Mitläufer, sondern auch in Schuldzusammenhänge verstrickt“, betont Becker, der seine Untersuchungen in Münster begonnen hat und mittlerweile an der Universität Gießen lehrt. „Wann immer der NS-Staat ihn brauchte, hat er das Soll sogar übererfüllt. Es gibt viele braune Flecken auf seiner Weste.“
Diese Einschätzung dürfte die Diskussion um eine Umbenennung des Gievenbecker Carl-Diem-Weges neu anheizen. Ein entsprechender Antrag der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung West war 2007 abgelehnt worden. Einige Monate später wurde vereinbart, die Frage einer Umbenennung in Julius-Hirsch-Weg erst dann erneut anzugehen, wenn Beckers Forschungsergebnisse vorliegen. Das ist nun der Fall.