Informationszeitalter

Literaturwissenschaftlerin über Bildung im Internet

Münster - In Zeiten von Google und Wikipedia glauben offenbar immer mehr Menschen, man müsse nichts mehr im Kopf behalten, weil alles im Internet steht. Doch auch der Ruf nach einem verbindlichen Bildungskanon geht ins Leere - die Welt ist dafür zu komplex.

Nach Ansicht der Literaturwissenschaftlerin Martina Wagner-Egelhaaf kann man heute jedoch keinen allgemeingültigen Kanon mehr formulieren. „Unsere Welt ist so plural geworden, dass wir alle nur noch ausschnitthaft Bildung besitzen“, räumt die Professorin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ein. Man könne nicht mehr allgemeinverbindlich sagen, „was wichtig ist, was alle lesen müssen“.


Offenbar gebe es einen Wissensabbruch: „Allerdings ist dies auch nicht weiter verwunderlich. Unsere Welt hat sich so beschleunigt, dass sich natürlich auch die Wissensbestände verändern und niemand kann das ganze alte Wissen präsent halten und zugleich offen sein für das neue Wissen, das sich ständig weiterentwickelt. Junge Menschen leben in ganz anderen Wissenswelten.“

Dass neben Medienkompetenz vor allem gute Bildung bei der Orientierung im Internet mit seiner Unzahl oft fragwürdiger Quellen helfen kann, meint die Literaturprofessorin Wagner-Egelhaaf ebenfalls: „Ich denke, man braucht einen Grundstock an solidem Wissen, um mit den Informationen, die man im Internet findet, umgehen zu können.“ Die Fülle der Informationen müsse gefiltert, bewertet und weiterverarbeitet werden. Wagner-Egelhaaf: „Dafür ist ein solides Basiswissen - was immer das im Einzelnen sein mag - eine wesentliche Grundlage.“



05 · 01 · 12





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