Mal verspielt, mal tiefschürfend


Rüdiger Schwahn stellt im Schloss seine Papierobjekte und Gemälde aus - hier „Massendelirium“ (l.) und „Leningrad Höllenfahrt“ (r.).Foto:
Rüdiger Schwahn stellt im Schloss seine Papierobjekte und Gemälde aus - hier „Massendelirium“ (l.) und „Leningrad Höllenfahrt“ (r.).Foto:
(Gerhard H. Kock)


Münster - Diese Ausstellung im Schloss ist widersprüchlich: Auf der einen Seite ist traditionelle Ölmalerei zu sehen - Augenfutter mit Tiefgang. Eine Etage höher hängen dekorative Objekte an den Wänden - Verspieltes mit Fundgegenständen. Und doch stammt alles aus einer kreativen Seele: Rüdiger Schwahn.

Ihn beschäftige das Thema „Drittes Reich“ nachhaltig, gibt der Künstler zu Protokoll. Ende der 50er Jahre habe er bei den Pfadfindern einen jüdischen Freund gehabt und wurde auf diese Weise sowohl historisch als auch persönlich äußerst früh mit der dunklen deutschen Vergangenheit konfrontiert. Es hat ihn nicht mehr losgelassen, wenngleich das Thema Nationalsozialismus in seinen Arbeiten meist nicht offensichtlich ist.


In seinem Bild „Massendelirium“ scheint dieses Thema noch am deutlichsten auf, verbunden mit dem Komplex Fußball und Nation. Seine starke Beziehung zu Russland ist deutlich in „Leningrad Höllenfahrt“ zu sehen. Schwahn: „Mein Lieblingsbild.“ Mütterchen Russland ist zu sehen, eine verträumte Schöne, ein Straßenkind mit blonden Zöpfen, Männer mit geschlossenen Augen umschließen die drei - die melancholische Seele Russlands.

In seinen Objekten setzt Schwahn Fundstücke in Szene. „Die fesche Lesbe“ ist eine Besenbürste mit rotem Streifen auf zwei kantigen Papier-„Beinen“. Zwischen zwei anderen Papierquadern steckt der rote Absatz eines Stöckelschuhs. Doch mit „Relikt III. Reich, Berlin Plötzensee“ ist auch jenes Thema wieder präsent. Neun Schlingen aus einer Werkstatt hängen hier auf dem Papierquadrat, in dessen Mitte drei Schlingen auf rotem Grund an die Hinrichtungen am langen Galgen-Stahlträger erinnert. Zwischen 1933 und 1945 wurden in Plötzensee 2891 Todesurteile vollstreckt - die Opfer viele Widerständler.

Schwahn, Mitglied der Künstlergruppe „Freie Künstler Nienberge“ wurde 1951 in Fürstenau geboren und studierte Kunstpädagogik in Osnabrück. Seit 1990 ist Schwahn Mitglied der St. Petersburger Künstlervereinigung „Phönix“.

VON GERHARD H. KOCK, MÜNSTER


25 · 01 · 12





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