Münster - Mittagessen! Auf dem kleinen Vordach über dem Affenfreigehege im Allwetterzoo steht Bärbel Uphoff und wirft schwungvoll Porreestangen auf das Gelände. Erst kommen die Rotscheitelmangaben und sichern sich ihren Anteil, dann nähern sich Fatima, Changa und der kleine Thabo. Erst viel später kommt Gana ziemlich schwerfällig aus ihrer Höhle und wackelt dem Gemüse entgegen.
Schwangere brauchen schließlich Vitamine. Aber es läuft sich nicht mehr so leicht im neunten Monat. Jeden Tag kann Ganas Baby nun auf die Welt kommen. Bärbel Uphoff, seit 44 Jahren Pflegerin im Affengehege des Allwetterzoos, hofft, dass die Wehen nachts einsetzen. „Dann hat Gana mehr Ruhe.“
Es ist schon die dritte Schwangerschaft des etwa zwölfjährigen Gorillaweibchens, doch bisher war Gana kein großes Mutterglück beschieden.
Für ihr erstes Kind „Mary Zwo“ interessierte sich Gana seinerzeit nur mäßig. Die Pfleger mussten das Affenmädchen aus dem Gehege nehmen. Es wurde vom Stuttgarter Zoo aufgezogen.
Dem im vergangenen Jahr geborenen Claudio ging es zuerst sehr gut. Dann verendete er aufgrund einer Infektion. „Gana hatte daran keine Schuld“, beteuert Bärbel Uphoff, von der sich die Mitglieder der Affenbande gern mal kraulen lassen. Die Bilder von Gana, die tagelang ihr totes Kind mit sich herumschleppte und es nicht loslassen wollte, rührten Zeitungsleser und Fernsehzuschauer weit über Münster hinaus.
Diesmal ist Bärbel Uphoff kein bisschen besorgt, dass Gana ihre Mutterpflichten nicht wahrnehmen könnte. „Wenn das Kleine gesund ist, wird alles gut gehen“, ist die Pflegerin überzeugt.
Dann wird Ganas Kind irgendwann so munter herumtollen wie jetzt der kleine Thabo, zweijähriger Sohn von Gorilladame Changa. Die flinken Rotscheitelmangaben-Affen sind bisher seine Spielkameraden - neben seinem Papa, dem großen „Silberrücken“ Nkwango. Er, Oberhaupt der Gorilla-Sippe im münsterischen Zoo, ist auch der Vater von Ganas erwartetem Baby.
Während Gana ihren sichtlich runden Bauch herumschleppt, ist ein paar Hundert Meter weiter im Gehege der Nashörner bei Dickhäuterin Emmi noch nichts von der um den 15. September herum erwarteten Niederkunft zu sehen. So ein Nashörnchen kann sich fast unbemerkt im massigen Mutterleib verstecken, sagt Zoo-Sprecherin Ilona Zühlke. Emmis bisheriges Verhalten als Mutter gibt im Zoo schon eher zu Besorgnis Anlass. Zweimal hat Emmi bereits ihr Neugeborenes gleich nach der Geburt getötet. Sollte Emmi auch diesmal wieder keine fürsorglichen Instinkte für ihr Junges entwicklen, werden die Menschen im Zoo wieder nicht eingreifen. „Nur die Mutter kann ihr Junges aufziehen“, sagt Ilona Zühlke, „dazu gibt es keine Alternative“.