Rattengift im Hundemaul


Nochmal gutgegangen: Die Albachtenerin Ulrike Overkamp freut sich, dass ihre Labradorhündin Cilli dank des schnellen Gangs zur Tierärztin offenbar keinen Schaden durch das Rattengift davongetragen hat.Foto:
Nochmal gutgegangen: Die Albachtenerin Ulrike Overkamp freut sich, dass ihre Labradorhündin Cilli dank des schnellen Gangs zur Tierärztin offenbar keinen Schaden durch das Rattengift davongetragen hat.Foto:
(sch)


Münster-Albachten - Als Ulrike Overkamp am Montagabend ihrer Labradorhündin im Albachtener Bürgerpark entlang des Offerbachs Gelegenheit zum freien Rumstöbern gab, war sie verwundert. Denn Cilli ließ sich mehr Zeit als sonst, bis sie wiederkehrte. Und dann der Schreck: Die Hündin kam mit einem „undefinierbaren türkisfarbenen Stück in der Größe einer Seife“ im Maul zurück. Frauchen schwante Böses, schließlich hatte sie in der Vorwoche mitbekommen, wie im Auftrag der Stadt in Albachtener Schächten Rattenköder ausgelegt wurden.

Die Albachtenerin fackelte nicht lange. Sie brachte Cilli zur Tierärztin, die sofort Gegenmaßnahmen einleitete. Die fünfjährige Hündin wurde eine Stunde lang zum Erbrechen gebracht und mit einem Antidot, einem Gegengift, behandelt. Drei Wochen lang muss das Tier nun überwacht und weiter behandelt werden, denn ohne ärztliche Hilfe können Hunde im schlimmsten Fall durch Rattengift ihr Leben lassen: Die Köder enthalten den Wirkstoff Cumarin, der die Blutgerinnung verhindert. Tiere, die ihn aufnehmen, verbluten innerlich und gehen elendig ein.


Ein Anruf beim städtischen Tiefbauamt, wo sie von einem Mitarbeiter „fachkundige und kompetente Auskunft“ erhielt, bestätigte einmal mehr, dass Cilli mit Rattengift in Kontakt gekommen war. Dieses stammte vermutlich aus einem Gulli in der Nähe des evangelischen Kindergartens. Die Giftköder würden lediglich an einem Draht in den Schächten befestigt, seien nicht genügend abgesichert, bemängelt Ulrike Overkamp. Durch die unzureichende Befestigung könnten in unglücklichen Fällen nicht nur Hunde und andere Tiere, sondern auch Kinder mit dem gefährlichen Gift in Kontakt und damit auch zu Schaden kommen. Darüber hinaus seien die Bürger über die Giftköderaktion von Seiten der Stadt nicht unterrichtet worden.

Wie Cilli an das Stück Rattengift gelangen konnte, weiß die Albachtenerin nicht. Sie vermutet, dass es durch die Gewitterregenmassen in der vergangenen Woche an den Offerbach gespült oder auch von Ratten dorthin getragen wurde.

Laut Gerhard Steinke vom städtischen Tiefbauamt ist dies durchaus möglich, „aber auch nicht zu verhindern“. Zur Bekämpfung der Rattenplage im Stadtgebiet, so der stellvertretende Fachstellenleiter für den Kanalbetrieb, wird derzeit jeder zweite Kanalisationsschacht im Stadtgebiet mit Giftködern bestückt, rund 20 000 Schächte sind davon betroffen.

Die Stadt könne das Fraßverhalten der lästigen Nager nicht beeinflussen. Insbesondere dort, wo es starke Rattenpopulationen gebe, komme es immer wieder vor, dass Stücke aus den rund 300 Gramm schweren, mit Draht und einer Querstange gesicherten Köderblöcken herausgebissen würden. Ein solches Stück sei im Albachtener Fall vermutlich durch Wassermassen ins Freie gespült worden: Bedauerlich, aber von der Stadt nicht zu vermeiden.

Die beauftragte Saarbrückener Fachfirma, die die Köder ausgelegt habe, leiste „gute und präzise Arbeit“, stellt Steinke klar. Es sei nicht praktikabel, die Köder rundum mit feinmaschigen Drahtnetzen zu umgeben, um sie besser zu sichern. Den Ratten müsse ein leicht annehmbares Angebot gemacht werden. „Wenn sie einen Mordsaufwand betreiben müssen, um die Köder fressen zu können, gehen sie an diese gar nicht erst ran.“

Vor dem Hintergrund des Albachtener Falls plädiert der städtische Kanalexperte, der selbst Hundebesitzer ist, an alle Halter, „ihre Tiere so zu erziehen, dass sie nicht alles fressen, was herumliegt“. Gefährlich werden könne der Kontakt mit dem Gift meist auch nur, wenn Hunde „erhebliche Mengen“ davon fräßen: „Das muss dann schon ein ganzer Block sein.“

Die Bürger seien über die Giftköderaktion diesmal nicht unterrichtet worden, sagt Steinke. Dies sei aber in den vergangenen Jahren wiederholt geschehen: „Wir sind davon ausgegangen, dass die Bevölkerung mittlerweile Bescheid weiß.“

VON THOMAS SCHUBERT, MÜNSTER


22 · 07 · 10





TOP ARTIKEL
Topartikel Icon
AKTUELLE FOTOSTRECKEN
TERMINSUCHE


Zeitraum:
von Kalender

Fehler: Kein kein gültiges Datum !
Format: dd mm yyyy
bis Kalender
Rubrik:
FAHRPLAN-AUSKUNFT
von:
Haltestelle Str./Nr.
nach:
Haltestelle Str./Nr.


© Münsterländische Volkszeitung - Alle Rechte vorbehalten 2012

Impressum | Datenschutz | AGB | Sitemap
Media-Daten | Netiquette