Das Band der Liebe bleibt - auch nach der Loveparade-Tragödie


In Duisburg gedachten noch einmal Tausende der jungen Menschen, die bei der Loveparade eine Woche zuvor gestorben sind.Foto:
In Duisburg gedachten noch einmal Tausende der jungen Menschen, die bei der Loveparade eine Woche zuvor gestorben sind.Foto:
(Jürgen Peperhowe)


Münster/Duisburg - In der Salvatorkirche in Duisburg brennen 21 Kerzen. Vier davon brennen für Benedict aus Münster sowie Marta, Clara und Fenja, die in Münster studiert haben. Alle vier sind vor einer Woche bei der Loveparade ums Leben gekommen.

Während der Trauerfeier erwähnt niemand ihre Namen. Aber trotzdem wird der ökumenische Gottesdienst zu einem würdigen und angemessenen, offiziellen Abschied von den vier jungen Menschen. „Es geht darum, den Angehörigen zu zeigen, dass die gesamte Nation ihnen beisteht. Dadurch wird das Leid vielleicht etwas erträglicher gemacht“, sagte Bundespräsident Christian Wulff vor der Trauerfeier.


Der Gottesdienst ist wie ein Drehbuch im Minutentakt geplant. Auf die Sekunde genau eröffnet Kantor Marcus Strümpe die Feier mit „Erbarm dich mein, o Herre Gott“ von Johann Sebastian Bach. 15 Minuten vorher beginnen die Totenglocken zu läuten. Das Kondolenzbuch aus dem Tunnel wird auf den Altar gelegt. Zu diesem Zeitpunkt liegen bereits Kränze aus schwarzen, roten und dunkelgelben Blumen von Christian Wulff, Angela Merkel und anderen Repräsentanten des Staates vor dem Tunnel.

Trotz aller Akribie wird aus den für den Gottesdienst geplanten 44 Minuten eine knappe Stunde. Jede Minute dient vor allem einen Zweck: zu trösten. Die beiden Prediger, der ehemalige münsterische Weih- und jetzige Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck sowie der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, finden treffende Worte für die Familienangehörigen, Freunde, die Helfer und Politiker, die einen Platz in der Duisburger Kirche bekommen haben.

Overbeck tröstet: „Es bleibt schwer, mit dem zu leben, was geschehen ist. Und doch bleibt etwas und geht weiter, was auch der Name ,Loveparade zum Ausdruck bringt: Love heißt Liebe.“

Nikolaus Schneider sagt: „Die Loveparade wurde zum Totentanz. Mitten hinein in ein Fest überbordender Lebensfreude hat der Tod uns allen sein schreckliches Gesicht gezeigt.“ Der Theologe sagt den Hinterbliebenen: „Wir können unsere Verstorbenen nicht mehr körperlich spüren. Wir können nicht mehr gemeinsam mit ihnen lachen und weinen, streiten und versöhnen. Aber wir tragen sie in unseren Herzen und in unseren Gedanken. Unsere Tränen und Trauer sind und bleiben ein Band der Liebe, das uns mit unseren Verstorbenen verbindet.“ Schneider spricht auch über die, die nicht gekommen sind: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland und Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller: Er erwähnt „Menschen, die wie versteinert Verantwortung von sich wegschieben.“

Das ist einer der wenigen Bezüge zu der ungeklärten Verantwortung für die Tragödie. Einen anderen spricht Joachim Müller-Lange aus. Der Landespfarrer für Notfallseelsorge betet in seiner Fürbitte: „Lass diejenigen, die an Schuld zu zerbrechen drohen, deine Barmherzigkeit erfahren. Bewahre uns alle davor, Menschen vorschnell zu verurteilen, damit Wut und Zorn nicht weiter die Stadt regieren.“

VON STEFAN WERDING, MÜNSTER


02 · 08 · 10



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