Rauchverbot zeigt Wirkung - Spötter: "Wunder von Münster"


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Münster - Am Universitäts-Klinikum Münster geht die Zahl der Herzinfarkt-Fälle „dramatisch“ zurück. Und der Herzmediziner Prof. Holger Reinecke ist überzeugt, dass es dafür vor allem eine Ursache gibt: das Rauchverbot.

Die Erkenntnis ist nicht ganz neu. Eine amerikanische Studie besagt, dass die Zahl der Herzinfarkte ein Jahr nach Einführung von Rauchverboten um 17 Prozent zurückging, nach drei Jahren um 36 Prozent. Ähnliche Erfahrungen, so Reinecke, gebe es „durchgängig und weltweit“.


Reinecke, kommissarischer Leiter der Klinik für Innere Medizin, Kardiologie und Angiologie, beschloss daraufhin, sich die Zahlen im Universitäts-Klinikum Münster anzuschauen. Und war überrascht: Wurden hier im Jahre 2007 noch 541 Herzinfarkt-Fälle registriert, waren es 2008 noch 457 und 2009 nur noch 359. In diesem Jahr, so schätzt der Mediziner, werde man vermutlich auf „rund 300“ kommen. Das würde innerhalb von drei Jahren einen Rückgang um 44,5 Prozent bedeuten.

Spötter aus der Raucherecke sprechen vom „Wunder von Münster“. Und Kritiker halten dagegen, die Zahl der Herzinfarkte sei auch ohne Rauchverbot rückläufig. Stimmt, sagt Reinecke, aber dabei handele es sich allenfalls um Quoten von ein bis zwei Prozent.

Und im Übrigen sei es keineswegs ein speziell münsterisches Phänomen. Wie der Mediziner nach Rücksprache mit Kollegen anderer Kliniken betont, registriert man auch andernorts signifikante Rückgänge der Infarktzahlen. Dass die Uni-Klinik Essen diese Entwicklung nicht bestätigen kann, irritiert Reinecke nicht unbedingt: „Der Pott ist anders gestrickt“, sagt er. Soll heißen: Da wird das Rauchverbot in den Gaststätten wohl nicht wirklich beherzigt.

Als Todesursache ist der Herzinfarkt in NRW seit Jahren rückläufig. Wie beim Statistischen Landesamt zu erfahren ist, starben 2009 insgesamt 12 360 Menschen an Herzinfarkt - 14,2 Prozent weniger als im Jahre 2007.

Für Reinecke steht jedenfalls fest, dass das Rauchverbot „sehr schnell etwas bringt“ - gerade für Passivraucher. Vor allem, wenn man bedenke, dass das Rauchen nicht nur Herzinfarkte begünstige, sondern auch etliche andere Erkrankungen.

VON WOLFGANG SCHEMANN, MÜNSTER


09 · 11 · 10



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