Facelifting für Café Kleimann


Voll und eng - das Café Kleimann verstrahlt in vielen Bereichen den dezenten Charme der 60er Jahre. Samstagabend wurde mit dem Umbau begonnen, der bis zum 18. Juli dauern soll.
Voll und eng - das Café Kleimann verstrahlt in vielen Bereichen den dezenten Charme der 60er Jahre. Samstagabend wurde mit dem Umbau begonnen, der bis zum 18. Juli dauern soll.
(Foto: -bn-)


Münster. Es war in den 70ern. Die Jungs trugen Selbstgestricktes, die Mädchen Gypsieröcke. Und ganz Extreme gaben den westfälischen Protestler mit Langhaar und Holsken an den Füßen. In den Freistunden saßen sie unter den Bögen bei Café Kleinmann, zwischen Markthändlern und feinen Kaffeekränzchen. Eine bunte Melange im engen, geduckten Schlauch-Café.

Wer 30 Jahre nicht in Münster gewesen sein sollte, was unvorstellbar ist, und jetzt zu Kleimann käme, der hätte sein Déjà-vu. Alles wie früher, sogar die grauen Sessel im Nichtraucherzimmer. Kleimann, die Konstante im Meer moderner System-Gastronomen, ein Kultstück Münsters.



Das Café ist eine Institution.
Das Café ist eine Institution.


Das heißt, seit Samstagabend hat Café Kleimann geschlossen. Für zweieinhalb Wochen, wegen eines Umbaus. Und weil das Café so von seiner Tradition lebt, fragt man sich erst mal: Dürfen die das eigentlich?

Sie müssen, sagt Ralf Kleimann (36), der das Café seit drei Jahren mit seinen Geschwistern Bernd (40) und Brigitte (38) führt. Der stellvertretende Geschäftsführer mit Kraushaar und Ring im Ohr will das Café luftiger machen und moderner. Die Konkurrenz ringsherum schläft ja auch nicht.

Die Enge im Büfett-Bereich soll sich lockern, mehr Licht soll durchs Fenster fluten. Eine Klimatisierung wird eingeführt und gleich damit eine Nichtraucherzone im Erdgeschoss.

Bisher hatten Kleimanns Münsters ältestes Nichtraucher-Hinterzimmer: „Hier in der Ecke haben wir früher zu Abend gegessen“, sagt Ralf Kleimann und nickt zu einem der Tische. Als man den Raum zum Nichtraucherzimmer machte, ging es eigentlich bloß darum, das ungesehene Kiffen zu verhindern - siehe Langhaarjungs und Gypsiemädchen.

Wie viel Tradition darf man bei so einem Umbau aufs Spiel setzen? Nicht viel, da ist sich Ralf Kleimann sicher. So bleibt schon mal der große, früher sehr plüschige Raum in der ersten Etage erhalten. Und auch der Nichtraucherraum soll sein gewohntes Ambiente behalten.

Aber insgesamt werden die beiden Häuser, aus den sich das Café zusammensetzt durchsaniert. Auch das Dach erhält endlich seine Isolierung.

„Kleimann bleibt Kleimann“, sagt Sohn Ralf, der mit seinen Geschwistern die Tradition der Eltern Ruth (64) und Bernd (70) fortführen will. Das Geschäft ernähre die ganze Familie, sagt er, „aber sehr bescheiden“.

Der Versuchung, einfach den Laden zu schließen und die teuren Flächen zu vermieten, wollen sie widerstehen. Denn stolz sind die Kleimanns schon auf ihre Geschichte: „Seit 1934 sind wir hier. Und heute das einzige Café, das wirklich noch alles selbst herstellt.“

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nachrichten.de/wntv

VON GÜNTER BENNING, MÜNSTER


02 · 07 · 07




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