Münster. Der Fall ist höchst brisant: Denn die Polizei muss im eigenen Haus ermitteln. Einer der hochrangigsten Beamten im Polizeipräsidium am Friesenring steht ohne Dienstwaffe dar - seine Pistole ist weg. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte gestern Abend Polizei-Sprecher Alfons Probst: „Die Waffe wird vermisst.“ Ob verloren oder geklaut - zu den Hintergründen konnte sich Probst nach eigener Aussage nicht äußern.
Fest steht nur: Anfang der Woche wurde der Polizeipräsident darüber unterrichtet, dass in einem Schließfach, das nicht aufgebrochen wurde, eine Pistole fehlt. Schlüssel dafür gebe es in „überschaubarer Anzahl“. Im Verlauf des gestrigen Tages stellten Beamte bei der Suche nach der Dienstpistole offenbar das komplette Polizeipräsidium auf den Kopf. Am Ende aber erfolglos. Die Waffe blieb weiter verschwunden.
Bei dem Beamten, dem die Dienstwaffe fehlt, handelt es sich um keinen Geringeren als den Leiter der Direktion Kriminalität, Ernst Träger. Er und seine Beamten verfolgen vom Fahrraddiebstahl bis zum Mord alle kriminellen Taten. Träger, Jahrgang 1950, ist Leitender Kriminaldirektor und damit unmittelbar Polizeipräsident Hubert Wimber unterstellt.
Nicht vollends ausgeschlossen scheint die Möglichkeit, dass die Dienstpistole unrechtmäßig entwendet wurde. Wie aus Präsidiumskreisen zu hören ist, gilt Träger derzeit bei den Beamten seiner Direktion als umstritten. Vor allem einige Umsetzungen von Beamten in den Streifendienst haben dem Vernehmen nach in jüngerer Zeit für massiven Ärger gesorgt.
In diesem Jahr ist es in Münster bereits der zweite Fall, dass eine Polizeiwaffe abhanden gekommen ist. Beim Rockerprozess im Mai hatte eine 38-jährige Polizistin ihre Pistole vom Typ „Walther P 99“ auf der Toilette des Landgerichts vergessen. Damals hatte Polizeipräsident Hubert Wimber erklärt, der sensible Umgang mit Dienstwaffen müsse allen Beamten bewusst sein.