Zweifel an Spice-Verbot - Wechsel zu anderen Drogen befürchtet


Die Modedroge Spice soll verboten werden. Auch in Münster ist sie verkauft worden.
Die Modedroge Spice soll verboten werden. Auch in Münster ist sie verkauft worden.


Münster - Gegenwind für die Drogenbeauftragte der Bundesregierung: Ihr geplantes Verbot des Mode-Rauschmittels Spice wird vom münsterischen Drogen-Experten Dr. Wolfgang Schneider als „nicht zielführend“ angesehen. Die Jugendlichen, die ohnehin Drogen konsumierten, seien mit einem Verbot nicht abzuschrecken. Im Gegenteil: „Die greifen womöglich auf noch gefährlichere Drogen zurück“, so die Befürchtung von Schneider, der den Drogenhilfeverein Indro am Bahnhof leitet.

Anfang der Woche hatte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, in Berlin erklärt, Spice (zu Deutsch: Gewürz) noch im Januar per Eilverordnung verbieten zu wollen. In der Kräutermischung sei ein synthetisches Cannabinoid mit dem Namen JHW-018 gefunden worden. Dieses habe eine ähnliche Wirkung wie Cannabis (Haschisch oder Marihuana), wenn man es rauche.


Auch in Münster ist Spice in den vergangenen Monaten in einigen Geschäften - sogenannten Headshops, die unter anderem Wasserpfeifen anbieten - über die Ladentheke gegangen. Daneben gibt es einen regen Vertrieb über das Internet: Drei Gramm des Rauschmittels, das anfangs als harmlos galt, kosten dort zwischen 14 und gut 30 Euro. Von Händlerseite wurde Spice offiziell als „Räuchermittel zum Beduften von Räumen“ verkauft. In der Szene aber wird es nur geraucht.

Den Nutzen eines Spice-Verbots hält Indro-Vorsitzender Schneider für relativ gering. „Der Markt ist sehr flexibel.“ Außerdem werde den Interessierten schnell eine andere Kräutermischung angeboten. Anstatt den Verbotsweg zu beschreiten solle man mehr in aufsuchende Drogenarbeit und Aufklärung investieren, so Schneider.

Bei der städtischen Drogenhilfe ist Spice ebenfalls ein Thema: Die Wirkung, so deren Chef Georg Piepel, sei von den Konsumenten unterschiedlich beschrieben worden - „von schlecht bis besser als Cannabis“. Großen Zuspruch, so Piepel, habe die Droge ab September gefunden, nachdem erstmals in der breiten Öffentlichkeit darüber diskutiert worden sei. Bei der Polizei ist das Phänomen Spice auch bekannt. Bislang aber mussten die Beamten nicht eingreifen.

VON DIRK ANGER, MÜNSTER


03 · 01 · 09





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