Die Zeit des Westfälischen Friedens


Der Friedensreiter verkündet den Abschluss des Westfälischen Friedens 1648.
Der Friedensreiter verkündet den Abschluss des Westfälischen Friedens 1648.


Obwohl Münster während des 1618 ausbrechenden Dreißigjährigen Krieges einige Male von fremden Truppen bedroht wurde, so 1633/34, erlitt die stark befestigte Stadt keinen Schaden. Im Jahre 1643 rückte sie dann erstmals ins Blickfeld der europäischen Mächte, die ja damals zugleich Weltpolitik betrieben.

Nach längeren Vorverhandlungen hatten sich diese auf Münster und Osnabrück als Orte von Friedensgesprächen geeinigt. Das hatte seinen Grund: Weil die kriegführenden Parteien unbedingt an zwei verschiedenen Orten verhandeln wollten, drängte sich, auch im Hinblick auf einen raschen Verlauf der Unterredungen, die räumliche Nähe beider Städte auf. Hinzu kam, dass die beiden Städte in den bisherigen Auseinandersetzungen kaum Schaden genommen hatten und, wenn auch unter Schwierigkeiten, die große Schar der Diplomaten aufnehmen konnten. So saßen in Münster die Abgesandten des Kaisers und der katholischen Reichsstände den Diplomaten Frankreichs gegenüber. Außerdem verhandelten hier Spanien und die Vereinigten Niederlande über die Beilegung ihres seit achtzig Jahren währenden Krieges.


Von 1644 bis 1649 beherbergte Münster eine bunte Schar Diplomaten aus aller Herren Länder - es sollen allein über 200 Gesandte gewesen sein -, die mit ihrem zahlreichen Gefolge für gesellschaftlichen Glanz sorgten. Die Verhandlungen begannen mühselig, und weil die Diplomaten häufig erst Anweisungen ihrer Regierungen einholen mussten, zogen sich die Gespräche hin.

Am 24. Oktober 1648 konnten dann endlich die Verträge abgezeichnet werden. Dies geschah jedoch nicht im später so genannten Friedenssaal, sondern im Fürstenhof, einem heute nicht mehr bestehenden Gebäude am Domplatz. Der Friedenssaal, ein kunsthistorisches Juwel aus dem 16. Jahrhundert, war allein Schauplatz der Beschwörung des spanisch-niederländischen Sonderfriedens im Mai 1648. Die Folgen des Westfälischen Friedens überdauerten die europäische Geschichte bis ins Jahr 1801, zum Teil sogar bis 1866, als Österreich von Preußen aus Deutschland herausgedrängt wurde. Einige Passagen, das Verhältnis von Staat und Kirche betreffend, haben dagegen noch heute Gültigkeit.

VON BERND HAUNFELDER, MÜNSTER


03 · 01 · 08



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