Zeitalter des Absolutismus


Der starke Herrscher im Zeitalter des Absolutismus: Christoph Bernard von Galen.
Der starke Herrscher im Zeitalter des Absolutismus: Christoph Bernard von Galen.


Die Zeit nach dem Ende der Verhandlungen verlief für die Stadt wenig friedvoll. Ihr durch den Friedenskongress gestärktes Selbstbewusstsein vertrug sich nicht mit den Herrschaftsansprüchen des neuen, 1650 an die Macht gelangten Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen. Dieser bekämpfte alle Bemühungen Münsters nach Unabhängigkeit, darunter auch den Wunsch nach dem Status einer Freien Reichsstadt, mit unnachgiebiger Härte. Konnte sich die Stadt noch 1657 dank niederländischer Unterstützung nach einer Beschießung mit zweimonatiger Belagerung aus der Umklammerung retten, so musste sie vier Jahre später nach einer mehr als halbjährigen Belagerung kapitulieren. Galen hatte sogar nicht davor zurückgeschreckt, Münster beide Mal massiv zu beschießen.

Galens vorwiegend den schönen Künsten zugetane Nachfolger vermochten Stadt und Bistum zwar aus den Wirrnissen der Zeit herauszuhalten, den Schwund des politischen Einflusses Münsters konnten sie jedoch nicht aufhalten. Für das Überleben Münsters und seines Fürstbistums sollte es sich daher durchaus als vorteilhaft erweisen, sich durch die Wahl eines Wittelsbachers oder Habsburgers zum Landesherren unter den Schutz dieser mächtigen Häuser zu stellen. Für die Sicherheit zahlte man jedoch einen hohen Preis. Weil fast während des gesamten 18. Jahrhunderts die Kurfürsten von Köln zugleich als Fürstbischöfe in Münster amtierten, sich aber meistens in Bonn aufhielten, nahmen in Münster lediglich Minister ihre Amtsgeschäfte wahr. Damit hatte man den Rang einer Residenzstadt eingebüßt.


Der bekannteste Landesherr des 18. Jahrhunderts war Clemens August von Bayern, der, gerade 19-jährig, im Jahr 1719 zum Fürstbischof gewählt wurde. Münster verdankte ihm die Errichtung des noch heute bestehenden Clemenshospitals samt der spätbarocken gleichnamigen Kirche, ein Werk des bedeutenden westfälischen Barock-Architekten Johann Conrad Schlaun. Dieser entwarf im Auftrag Clemens Augusts außerdem zahlreiche Bauten in Münster wie im gesamten Fürstbistum.

Überschattet wurde die bis 1761 währende Ära Clemens Augusts von den schlimmen Folgen des Siebenjährigen Krieges, als 1758/59 abwechselnd mehrfach französische und hannoversche Truppen Münster besetzten. Im September 1759 bombardierten vor ihren Toren kampierende Briten und Hannoveraner schließlich die Stadt und zerstörten dabei das gesamte Martiniviertel. Überdies setzten Hungersnöte und Seuchen der Bevölkerung hart zu. Das 18. Jahrhundert brachte einen merklichen Wandel im architektonischen Bild der Stadt mit sich. Vor allem der begüterte Landadel ließ sich prachtvolle Palais errichten, so den Erbdrostenhof, den Romberger Hof, den Kettelerschen Hof, den Heeremanschen Hof und andere mehr. Aber auch nach außen hin vollzog sich nach der Niederlegung der alten Stadtbefestigung im Jahre 1764 ein merklicher Wandel: Auf dem Wall zwischen den Stadtgräben wurde ein Spazierweg, die Promenade, gelegt.

Die letzten Jahrzehnte der fürstbischöflichen Herrschaft, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts endete, standen im Zeichen einer hohen kulturellen Blüte. Bedeutende Philosophen und katholische Theologen gehörten einem schwärmerischen Kreis, der Familia sacra, um die Fürstin Amalia von Gallitzin an, darunter der aus Königsberg stammende Philosoph Johann Georg Hamann. Auch Goethe machte der Fürstin 1792 seine Aufwartung.

VON BERND HAUNFELDER, MÜNSTER


03 · 01 · 08



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