Das Ausmaß der Zerstörung war so gewaltig, dass man seitens der Stadtverwaltung 1945 daran dachte, Münster an anderer Stelle neu zu errichten. Doch dazu kam es Gott sei Dank nicht. Die Behörden machten auch nicht den Fehler, den Wiederaufbau gleichsam ohne Gesamtplanung in die Wege zu leiten. Fachleute waren sich frühzeitig darüber einig, den historischen Kern Münsters nicht originalgetreu zu restaurieren, sondern ihn in Anlehnung an historische Vorbilder neu zu gestalten.
Sichtbarstes Ergebnis ist der Wiederaufbau des Prinzipalmarktes, von dem lediglich ein einziges Haus den Krieg unbeschadet überdauert hatte. Sechs Jahre danach war Münsters Prachtstraße fast wieder aufgebaut. Das historische Rathaus wurde aber erst 1958 fertiggestellt. Der Bau, der sich von seinem mittelalterlichen Original kaum unterscheidet, verdankt sein Wiedererstehen einer Initiative der münsterischen Kaufmannschaft, die auch größtenteils die finanziellen Mittel aufbrachte.
Es sind jedoch nicht so sehr die großen als vielmehr die mittelständischen Betriebe, die das wirtschaftliche Bild der Stadt prägen. Diese hat in den beiden Jahrzehnten seit der Wiedervereinigung nichts unversucht gelassen, neue Betriebe anzusiedeln. Der Abzug zahlreicher Einheiten der britischen Streitkräfte ermöglichte es, große, auch stadtnahe Flächen hierzu zur Verfügung zu stellen. Größter Arbeitgeber in der Stadt ist aber die Universität, die mit ihren annähernd 50.000 Studenten zu den größten und beliebtesten der Bundesrepublik Deutschland zählt. Das 1983 eingeweihte Großklinikum, dessen Einzugsbereich weit über die Landesgrenzen hinausreicht, gehört zu den modernsten Krankenhäusern Nordrhein-Westfalens. Heute zählt die Stadt über 280.000 Einwohner.