Gemeinde in Schockstarre:
Zweiter Missionar gesteht Missbrauch


In St. Clemens in Hiltrup wirkte Pater W. 23 Jahre lang als Seelsorger. Foto:
In St. Clemens in Hiltrup wirkte Pater W. 23 Jahre lang als Seelsorger. Foto:
(gro)


Münster - In Hiltrup ist die Welt in und rund um St. Clemens nicht mehr in Ordnung. Die Betroffenheit ist groß, nachdem ein Pater, der in der Gemeinde 23 Jahre seelsorglich wirkte, gestand, sich in einem Homburger Gymnasium an Schülern vergangen zu haben (WN, 25.2).

Auch ein 73-jähriger Pater im Raum Bad Homburg hat gestern zugegeben, vor zwei Jahrzehnten minderjährige Internatsschüler sexuell belästigt zu haben. Das bestätigte der Provinzial der Hiltruper Missionare, Pater Werner Gahlen, der Saarbrücker Zeitung.


Der Geständige sollte sich noch am Donnerstag der hierfür zuständigen kirchlichen Behörde in Speyer stellen und umfangreich aussagen. Der Pater unterrichtete - wie Pater W. aus Hiltrup - am Johanneum bis zu seiner Ruhestand als Lehrer in den Fächern Latein und Religion. Seit seiner Pensionierung war er in der Seelsorge in verschiedenen Pfarreien im Raum Homburg tätig.

„Die gesamte Gemeinde befindet sich in einer Schockstarre“, beschrieb eine Mitarbeiterin der Hiltruper Gemeinde St. Clemens die Stimmung. Gleichwohl hat Pfarrverwalter Pater Joachim Jenkner, der ebenfalls der Ordensgemeinschaft der Hiltruper Missionare angehört, gestern den Schritt in die Öffentlichkeit unternommen. Die Gemeinde sei „entsetzt über die vorgeworfenen Taten und fordert eine rückhaltlose Aufklärung“, heißt es in einem offenen Schreiben. Es ergeht sogar der Appell, „Fehlverhalten wann und von wem auch immer gegen Kinder zu melden“.

In den beiden Grundschulen, in denen Pater W. mit den Kindern regelmäßig Gottesdienste hielt und sie in katholischer Religion unterrichtete, herrschten gestern Überraschung, Irritation und Betroffenheit vor. Die Leiterin der Clemens-Grundschule, Barbara Prattki, bestätigte, dass es „niemals zuvor Veranlassung gegeben“ habe, über dieses Thema in Zusammenhang mit Pater W. nachzudenken. Ähnlich äußerte sich die Leiterin der Paul-Gerhardt-Schule, Astrid Bühl: „Es hat keinerlei Anhaltspunkte gegeben, dass ihm irgendetwas vorzuwerfen ist.“ Wie man das Thema nun den Schülern näherbringen könne, sei eine schwierige Aufgabe. Die Eltern jedenfalls wurden gestern schriftlich informiert, dass die sogenannten „Kontaktstunden der katholischen Kirche“ bis auf Weiteres ausfallen.

Ob die Verantwortlichen in der Kirche von den Vorfällen in Homburg wussten, als sie Pater W. mit den Aufgaben an den beiden Hiltruper Grundschulen betrauten, lautet eine Frage, auf die Schulleiterinnen bald eine Antwort haben möchten.

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken beobachtet derzeit nach Angaben ihres Sprechers Berndt Meiners den Fall. Meldungen, dass schon Vorermittlungen aufgenommen worden seien, bestätigte er hingegen nicht.

VON MICHAEL GROTTENDIECK, HILTRUP


25 · 02 · 10



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