Hauptfach Kunst: Die Realschule fördert kreative Talente

Mehr als brotlose Kunst


Ulla Kortas (unten re.; hier mit Fünftklässlern) unterrichtet ab der 7. Klasse Kunst als Hauptfach. Schüler erstellen dabei Collagen (oben li.: Zeitlicher Wandel, ein iPad neben Schiefertafeln), Tiefdruck zum Goethe-Gedicht „Totentanz“ (oben r.), Vanitas-Fotografie im Stil niederländischer Stillleben des 17. Jahrhunderts (Mitte l.) und Fotografie im Stil der Fotografin Cindy Sherman (unten l.).Foto:
Ulla Kortas (unten re.; hier mit Fünftklässlern) unterrichtet ab der 7. Klasse Kunst als Hauptfach. Schüler erstellen dabei Collagen (oben li.: Zeitlicher Wandel, ein iPad neben Schiefertafeln), Tiefdruck zum Goethe-Gedicht „Totentanz“ (oben r.), Vanitas-Fotografie im Stil niederländischer Stillleben des 17. Jahrhunderts (Mitte l.) und Fotografie im Stil der Fotografin Cindy Sherman (unten l.).Foto:
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Münster-Wolbeck - „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Dieser freche Spruch hängt gerahmt im Kunstraum der Realschule Wolbeck. Die feine Ironie der Frage steht in schönem Kontrast zum Stellenwert, den die Kunst im Schulkonzept der Realschule spielt. Als eine von wenigen Realschulen bietet sie den Schülern die Möglichkeit, einen musisch-künstlerischen Schwerpunkt zu bilden.

Wer glaubt, dort mit wenig Aufwand durch die Schulzeit zu kommen, ist bei Ulla Kortas an der falschen Adresse. „Kunst hat mit Denken zu tun“, sagt die Lehrerin, die mit Begeisterung und Leidenschaft Kunst unterrichtet. Ab Klasse 7 stehen drei Wochenstunden Kunst im Unterrichtsplan, ab Klasse 8 sogar vier Stunden plus theoretischer Klassenarbeiten. Die Bandbreite der Themen reicht von Malerei, Plastik, Grafik, Fotografie bis hin zu neuen Medien. Kortas: „Wir gehen durch alle Epochen.“ Theorie und Praxis gehen Hand in Hand, Kreativität und Experimentieren sind ausdrücklich erwünscht.


Dabei lässt Ulla Kortas ihren Schülern viele Freiheiten. Sie ist mit einer Unterrichtsreihe zufrieden, „wenn in Inhalt und Form eine möglichst große Bandbreite selbstständiger Lösungen herauskommt“. Zum Thema „Zeitlicher Wandel“ sollten die Schüler eine Collage erstellen. Statt mit Schere und Klebe wollten einige am PC arbeiten. Kein Problem.

„Wichtig ist, dass die Kriterien für die Bewertung allen klar sind.“ Denn: „Kunst ist ein sehr emotionales Fach.“ Der kulturelle Hintergrund der Schüler prägt auch ihre künstlerische Umsetzung der gestellten Aufgabe. Und: Kunst ist kein starres Fach. Neben traditionellen Techniken spielen auch Video und digitale Bildbearbeitung eine immer größere Rolle im Kunstbetrieb und in der Erlebniswelt der Jugendlichen.

Dabei fördert nicht zwangsläufig jede neue Technik bessere Ergebnisse zu Tage. Fotokameras sind mittlerweile kaum noch aus einem Handy wegzudenken. Im Resultat wird viel Masse, aber wenig Klasse produziert. Ulla Kortas spornt ihre Schüler zum genauen Hinsehen an. Vor dem Klick auf den Auslöser steht das genaue Nachdenken über eine gute Bildidee. Mehrfach gewannen Wolbecker Realschüler beim Schülerfotowettbewerb der WN und zuletzt bei einem Fotowettbewerb zum Thema Helmschutz „Zerbrich dir nicht den Kopf“. „Die Fotos haben wir in der Pause besprochen“, erzählen Jana Stumpe, Sophie Ripplinger und Luisa Finger, denn die Fotowettbewerbe laufen außerhalb des Curriculums.

Auch dabei lernen die Schüler - in der Mehrzahl übrigens Mädchen - viel. „Ein gutes Foto muss auch gut präsentiert werden“, meint Ulla Kortas. Ein Mini-Abzug habe in der Konkurrenz großformatig abgezogener Fotos eben weniger Chancen. Marketing in eigener Sache lernen die Schüler auch, wenn sie sich selbst um den Ausstellungsort für ihre Arbeiten kümmern.

Neue Horizonte erschließen sich Ende März ihnen, wenn Ulla Kortas mit ihrem neunten Jahrgang nach Venedig fährt. Bisher gingen die Kunstausflüge in Museen oder mit Zeichenstift und Papier in den Zoo.

Ist kreatives Gestalten letztlich nicht eine brotlose Kunst? Ulla Kortas widerspricht. „Künstlerische Bildung ist beispielsweise auch in therapeutischen Berufen oder im Erzieherinnenberuf wichtig, um Kinder zu kreativem Handeln anzuregen.“

VON BETTINA GOCZOL, HILTRUP


01 · 02 · 12





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